Pascale Giaimos Berg- und Alpinwandertipp: Gratwanderung Arnigrat

Wanderlust: Hochhinaus


«Das Leben beginnt dort, wo deine Komfortzone endet.»
(Unbekannt)


Diesen Satz sagte sich Pascale wohl selber, als sie mit mulmigem Gefühl im Bauch hoch über dem Sarnensee gegen ihre Höhenangst kämpfte. Trotz ihrer Gefühlsachterbahn, oder vielleicht gerade deswegen, zählt die Kretentour bei Wandelen zu Pascales Lieblings-Wanderrouten.

Manchmal braucht’s etwas Überwindung, um schöne und neue Orte zu entdecken. Wer es vom schattigen hinteren Melchtal steil hinauf an die Sonne und zu den grossen, vom Talboden her nicht einsehbaren Weideflächen wagt, wird mit einer unglaublichen Aussicht belohnt. Beim sportlichen Auf und Ab über den Arnigrat, mit Blick in die Weite, lässt es sich sehr gut abschalten vom Alltag.

Hast du Lust auf frische Bergluft, Sonne im Gesicht und traumhafte Weitsicht? Bist du trittsicher, schwindelfrei und körperlich fit? Dann könnte dir Pascales Wanderung gefallen.

Stöckalp – Wandelen – Arnigrat - Flüeli

Routenbeschreibung

Stöckalp – Wandelen (ca. 3 ¼ Stunden)
Gestartet wird bei der Stöckalp (1071 m.ü.M.), wo es gleich steil bergauf geht, bis der Arnigrat bei Punkt 1921 m. ü. M. erreicht ist. Dort gibt es einen entscheidenden Wechsel der Wanderwegkategorie. Vom weiss-rot-weiss markierten Bergwanderweg geht’s über auf den weiss-blau-weiss markierten Alpinwanderweg. Dies bedeutet, dass der Weg, je nach Jahreszeit, schneebedeckt sein könnte. Weitere Merkmale von Alpinwanderwegen sind: Geröllhalden, Felsabschnitte und kurze Kletterpassagen – stellenweise ohne sichtbaren Weg. Bist du hier angekommen, weisst du vielleicht, was Pascale mit der Höhenangst gemeint hat. Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und körperliche Fitness sind gefragt. Du stehts nämlich auf dem Arnigrat. Ein Gratweg, der bezüglich Abenteuerlichkeit seinesgleichen sucht.
Wichtig: bei Nässe, Schnee, schlechtem Wetter und schlechten Sichtverhältnissen auf keinen Fall auf den Arnigrat wandern. Das Risiko eines Absturzes ist zu gross, wie der tödliche Unfall eines jungen Wanderers im Jahr 2019 zeigte. Das bedeutet nicht, dass du nun Angst zu haben brauchst, aber ein gewisses Mass an Respekt sollte dich auf dem Weg über den Arnigrat begleiten.
Der Gratweg wurde schon als «Tanz auf Messers Schneide» beschrieben. Auf teilweise knappen Wegspuren in steilen Grasflanken geht’s vorwärts über den schmalen Arnigrat in Richtung Wandelen. Beim Astelhorn (2084 m.ü.M.) ist der Spass über den schmalen Grat vorerst zu Ende. Auf einem breiten Wiesenrücken geht’s weiter in Richtung Gipfelkreuz auf dem Wandelen, dem mit 2104 Meter höchsten Punkt der Tour. Seit jeher gilt der Wandelen als einer der schönsten Punkte der Tour und als Hausberg von Sachseln. Beim Gipfelkreuz wird dir etwas geboten, was eher selten ist. Eine schöne Bank rund um das Kreuz lädt zur Pause ein. Perfekt, nach dem Adrenalinkick und steilen Aufstieg.

Wandelen – Arnigrat – Höch Dossen (ca. 1 ¼ Stunden)
Nachdem du die herrliche Aussicht auf dem Wandelen genossen und neue Energie getankt hast, geht es rechts runter in die Tiefen des Mettentals. Im Abstieg zum Astelhorn wird der Weg schmaler und führt steil in die Kerbe. In munterem Auf und Ab via Astelhorn geht es über den gesamten Arnigrat bis zu Punkt 2028 m.ü.M. Hier verlässt man die Markierungen nordwärts und folgt der Krete runter bis auf 1987 m.ü.M. Auf schmalem Pfad geht es weiter steil hinunter, um einige Felsaufbauten herum und wieder hinauf zur Hohmad. Von da an führt der Weg – noch immer abwechslungsreich – durch die Sonnenflanke unterhalb der Gratschneide, zum Höch Dossen (1885 m.ü.M.).

Höch Dossen – Flüeli-Ranft (ca. 1 ¾ Stunden)
Nach dem Höch Dossen überquert man steile Wiesen, Wald und folgt erneut dem Grat hinunter zum Dössli. Wenig später kommst du zu einer grossen Weide, wo du vergeblich nach Wegmarkierungen Ausschau hälts, sondern am besten direkt auf das Alpgebäude von Oberbüelen (1378 m.ü.M.) zusteuerst. Von dort aus gehst du den langsam wieder deutlich werdenden Markierungen entlang, bis nach Unterbüelen weiter. Danach nordwärts hinab über Barfeld und Oberhus nach Flüeli (727 m.ü.M.). Glückwunsch, du hast dein Ziel erreicht!
(Quelle)

Zusatzinformationen

Dauer
Die Wanderung dauert insgesamt etwas mehr als 6 Stunden. Für den Aufstieg von 1250 Höhenmetern benötigt man im Schnitt 3 ¼ Stunden, wobei du lieber etwas mehr Zeit einrechnest, damit du zwischendurch auch mal Pausen einlegen kannst. Dasselbe gilt für den Abstieg von 1600 Höhenmetern mit einer durchschnittlichen Dauer von 3 Stunden. Solch ein Abstieg geht ziemlich in die Knie. Deshalb auch da zeitliche Extra-Puffer für Pausen einkalkulieren.

Schwierigkeitsgrat
Die Schwierigkeit wird bei T3+ eingestuft. Am Arnigrat befinden sich die anspruchsvollsten Stellen. Zudem sind Markierungen auf weiten Strecken Mangelware, wobei man gut ohne sie zurechtkommt, da der Weg der Krete entlang verläuft und man ab Dössli direkt auf die grossen Alpgebäude zusteuert. Weiter führt der Aufstieg von der Schöckalp nach Stepfen durch steiles Waldgelände und ist mit einigen Holztreppen, Drahtseilen etc. versehen, die einem Halt und Sicherheit im Gelände bieten.

Wegpunkte

Pascales Tipp gegen Höhenangst

Der einzige Weg die Höhenangst zu bekämpfen, ist die Komfortzone zu verlassen und anschliessend an der Herausforderung ein Erfolgserlebnis zu geniessen. Dabei ist es wichtig, dass du nichts überstürzt. Geh lieber in kleinen Schritten auf die Herausforderung zu. Solltest du die Angst nämlich nicht unter Kontrolle kriegen, entsteht ein negativer Teufelskreis, der dich in deiner Höhenangst bestätigt.
Wenn du an eine exponierte Stelle gelangst, die dir Probleme bereitet, informiere deine Wanderpartner frühzeitig. Es wäre unvernünftig, dich alleine auf eine Wanderroute zu begeben, die dich in Bezug auf deine Höhenangst an deine Grenzen bringt und dich herausfordert. Sollte dich die Angst packen, ist es wichtig, dass du tief ein- und ausatmest. Bring deinen Blick auf einen nahen Fixpunkt, sodass der Schwindel sich legt. Setz dich langsam auf den Boden oder geh zumindest in die Knie, damit du den Boden unter deinen Füssen spürst. Die Angst umzufallen sollte dadurch kleiner werden. Hör mit der tiefen Atmung nicht auf bis sich dein Puls beruhigt. Du kannst auch aktiv deine Muskeln für ein paar Sekunden anspannen und wieder loslassen, um die Verkrampfungen etwas zu lockern.
Hat sich deine Angst abgeflacht, schaust du dir die Stelle genau an und bestimmst bis zu welchen Punkt es weiter gehen soll, bis du wieder eine Pause einlegst. Bevor du weitermarschierst, mach ein paar wenige Schritte nach vorne, um zu sehen ob du es verkraftest weiterzugehen. Sollte dies nicht der Fall sein, ist es besser, die Rückkehr in Angriff zu nehmen. Wenn du jedoch merkst, dass du es bis zum nächsten Punkt schaffst, laufe langsam weiter. Fokussiere dich dabei lediglich auf den nächsten Tritt. Bevor du es merkst, bist du an der geplanten Pausensstelle angekommen. Werde dir deinem Erfolgserlebnis bewusst und sei stolz darauf, den Abschnitt geschafft zu haben!
Wenn du am Ende der Wanderung denkst «das war ja gar nicht so schlimm», hast du alles richtig gemacht, um deine Höhenangst zu bewältigen. Und wer weiss, womöglich kannst du die Wanderung eines Tages schwindelfrei gehen.
(Quelle)