Sicher Bergwandern: Alpin- und Bergwanderwege sicher erkunden

Bergwandern ist kein Spaziergang

Wir waren in den Bergen wandern und gefühlt die ganze Schweiz mit uns. Gerade diesen Sommer, in dem viele ihre Sommerferien in der Heimat verbringen, zieht es die Leute in die Berge. Auf dem Bike oder getragen von den eigenen Füssen, alle geniessen sie – die Schweizer Bergwelt.

Wandern zählt zu den beliebtesten Sportarten in der Schweiz. 57 % der Schweizer Bevölkerung und viele Touristen sind im Verlauf eines Jahres auf Schweizer Wanderwegen unterwegs, Tendenz steigend. Dabei wählen leider viele zu anspruchsvolle Routen, was immer wieder zu schweren Unfällen führt. So sterben jährlich 40 Menschen aus der Schweiz beim Bergwandern und 4'000 verletzen sich schwer – die meisten bei einem Sturz oder Absturz.

Bergwandern ist kein Spaziergang. Um in den Schweizer Bergen zu wandern, sollte man trittsicher und schwindelfrei sein sowie eine gewisse Grundfitness mitbringen. Andernfalls kann der Ausflug in die Berge gefährlich werden.

Wir wollen dir mit diesen Aussagen keine Angst machen, sondern dir im Hinblick auf unsere Wanderlust-Serie, die im August startet, nützliche Tipps und Tricks rund ums Wandern in den Bergen mitgeben. Schliesslich sollst du deinen Ausflug in die Berge, das Wandern und die Zeit in der Natur geniessen und am Ende des Tages gesund nach Hause kommen.

 

«Wandern ist eine Tätigkeit der Beine und ein Zustand der Seele.»
(Josef Hofmiller)

 

Gut geplant ist halb gewandert

Die Natur geniessen, picknicken, plaudern und lachen. Idyllische Bilder vom Wandern in den Bergen haben zwar ihre Berechtigung, doch was locker aussieht, muss nicht immer leicht sein. Im Gegensatz zum Spazieren, liegen beim Wandern Gemütlichkeit und Anforderung sehr nah beisammen. Bergwandern ist anspruchsvoll und eine sorgfältige Planung unabdingbar.

Wanderroute planen
Von einer sorgfältigen Vorbereitung und Planung profitieren du und deine Begleitung bis zur Rückkehr in die heimische Stube – und für jede künftige Tour gleich mit. Wanderliteratur, aktuelle Landkarten und Webseiten sind gute Vorbereitungs- und Orientierungshilfen. Bei jeder Tour sind folgende Faktoren unbedingt zu beachten:

  • Startpunkt, Wegverlauf und Ziel der Tour
  • Wegdistanz und Höhenmeter: Letzteres ist häufig der Knackpunkt beim (Berg-)Wandern. Sei dir immer bewusst, dass der Aufstieg Zeit und Kraft kostet, der Abstieg Koordination verlangt und auf Dauer in die Knie geht.
  • Zeitbedarf und -reserven: Die Zeitangaben auf den Webseiten und in der Wanderliteratur sind ungefähre Durchschnittswerte ohne Pausen. Es empfiehlt sich, genügend Zeit für Pausen und Unvorhergesehenes einzuplanen. Insbesondere beim Wandern mit Kindern, älteren Personen und Menschen mit Einschränkungen lohnt es sich, einen Extra-Puffer einzukalkulieren.
  • Ausweichmöglichkeiten: Prüfe vorgängig alternative Wege, um schwierige Passagen zu umgehen und die Route bei Müdigkeit oder Wetterumschwung abzukürzen.
  • Hin- und Rückreise: Informiere dich vorgängig, wann das erste Postauto hinauf- und die letzte Seilbahn runter ins Tal fährt. Prüfe die Wetterverhältnisse und informiere dich über den Zeitpunkt des Sonnenunterganges. Insbesondere bei langen und hochgelegenen Wanderungen solltest du so früh wie möglich starten, um das Ziel noch vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen.
  • Hüttenbesuch: Möchtest du in einer Alphütte übernachten oder dich in einem Bergrestaurant verköstigen? Überprüfe vorgängig den genauen Standort der Hütte/des Bergrestaurants und ob sie bewirtschaftet bzw. geöffnet ist. Denk daran, dass die Reservation der Schlafplätze ein Muss ist. Änderst du kurzfristig deine Pläne und siehst von einer Übernachtung auf dem Berg ab, sag deine Reservation ab, du tust anderen Berggängern einen Gefallen.

Hier geht’s zur Checkliste zum Bergwandern.

Dein Weg, das Wetter und du

  • Körperliche Konstitution und Fähigkeiten: Fühlst du dich zurzeit körperlich fit, schwindelfrei und trittsicher? Warst du bereits wandern oder ist es die erste Wanderung in diesem Jahr? Warst du kürzlich krank oder bist du momentan sehr gestresst? Wenn du mit anderen Personen gemeinsam wanderst, dann frage dich, welche Route der technisch und konditionell schwächsten Person der Gruppe gerecht wird.
  • Wanderwegkategorie: Verläuft die Tour auf einem Bergwander-, Alpinwander- oder Wanderweg? Jede der drei Kategorien stellt andere Anforderungen an dich.
  • Wegverhältnisse: Hat es in den letzten Tagen geregnet? Wege können stellenweise mehrere Tage danach noch nass und rutschig sein. Solche Bedingungen machen exponierte Stellen besonders gefährlich. Denk daran, dass in mittleren Lagen an vielen Orten der Schweizer Berge oft auch im Frühsommer noch Schnee liegt. Über die aktuellen Verhältnisse vor Ort kannst du dich bei den Seilbahnstationen, mittels Webcams und auf Wanderportalen informieren sowie bei Hüttenwarten Auskünfte einholen.
  • Weitere Anforderungen: Informiere dich vorgängig über Faktoren wie steile Passagen, Höhe über Meer, exponierte Stellen, Höhenprofil etc..
  • Lokale Wetterprognose: Das Wetter am Berg und dessen Entwicklung zu prüfen ist eminent wichtig beim Bergwandern. Sonnenschein im Tal heisst nicht Sonnenschein auf dem Berg. Nutze dafür entsprechende Websites wie Meteo Schweiz, den Wetterradar von SRF Meteo oder auch spezifische Wetter-Apps.
  • Gewitterrisiko: Bei einem Gewitter solltest du möglichst nicht auf freiem Gelände in den Bergen unterwegs sein. Prüfe vorgängig das Gewitterrisiko der Region. Bei hoher Wahrscheinlichkeit eines Unwetters, solltest du deine Wanderung verschieben oder höchstens eine kurze Tour im Tal machen.

Mini-Quiz für zwischendurch: Wie gut kennst du dich mit Wegweisern in den Schweizer Bergen aus?

Teste dein Wissen! Jeweils nur 1 Antwort richtig. Die Lösungen findest du am Ende des Textes.

  1. Wanderwege in der Schweiz sind signalisiert durch:
    a) Rot-weiss-rote Wegweiser, Richtungspfeile
    b) Gelbe Wegweiser, Rhomben und Richtungspfeile
    c) Gelbe Wegweiser mit weiss-rot-weisser Spitze
     
  2. Alpinwanderwege sind gekennzeichnet durch:
    a) Weiss-blau-weisse Markierungen und blaue Wegweiser mit weiss-blau-weisser Spitze
    b) Gelbe Wegweiser, Rhomben und Richtungspfeile
    c) Weiss-rot-weisse Markierungen und Gelbe-Wegweiser mit weiss-rot-weisser Spitze
     
  3. Bergwanderwege sind gekennzeichnet mit:
    a) Gelbe Wegweiser mit weiss-rot-weisser Spitze und weiss-rot-weisse Markierungen
    b) Gelbe Wegweiser, Rhomben und Richtungspfeile
    c) Blaue Wegweiser mit weiss-blau-weisser Spitze und weiss-blau-weisse Markierungen

Sag jemandem wo du unterwegs bist

  • Stell dir vor, du bist in Not und brauchst Hilfe, aber niemand weiss, wo du bist. Das wäre Wort wörtlich beschissen. Nicht nur für dich, sondern auch für alle, die sich nach einer gewissen Zeit auf die Suche nach dir machen würden. Informiere unbedingt Freunde, Bekannte oder Familienmitglieder über die Route, das Ziel und die Dauer – auch wenn du zu zweit oder in einer Gruppe unterwegs bist.
  • Denk daran, dich nach der Rückkehr von der Tour zurückzumelden. Deine Kontaktperson wird sich freuen und erleichtert sein.
  • Ein Grundsatz beim Bergwandern ist: Schwierige und abgelegene Touren nicht alleine unternehmen!

Oh du liebe Zeit!

Die meisten Wanderzeiten wurden mit einer speziellen Software berechnet und sind somit Durchschnittswerte. Die Software ist zwar zuverlässig, der Mensch jedoch individuell. Folglich brauchen die einen etwas länger und die anderen etwas weniger lang. Mit etwas Wandererfahrung weisst du, ob du schneller oder langsamer als der Durchschnitt unterwegs bist. Natürlich spielt es auch immer eine Rolle, wie viele und wie lange du Pausen machst.

Mit der folgenden Faustregel kannst du die Wanderzeit (ohne Pausen) berechnen:
  • Aufstieg: 15 Minuten für 100 Höhenmeter plus 15 Minuten für jeden Kilometer Horizontaldistanz.
  • Abstieg: 15 Minuten für 200 Höhenmeter plus 15 Minuten für jeden Kilometer Horizontaldistanz.

Wie fit, schwindelfrei und trittsicher bist du wirklich?

Selbstüberschätzung ist ein grosses Thema beim Wandern in der Schweiz. Viele Menschen unterschätzen die Routen und/oder überschätzen ihre Fähigkeiten und körperlichen Voraussetzungen. Zum Wandern in den Bergen ist eine gewisse Grundfitness, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit zwingend notwendig. Mach den Selbsttest und finde heraus, ob du bereit bist für die nächste Bergwanderung. Hier geht’s zum Selbsttest!

Bist du nicht so trittsicher und brauchst noch etwas Übung? Kein Problem, mit regelmässigem Kraft- und Gleichgewichtstraining kannst du deine Trittsicherheit, Koordination und Kondition verbessern und dich optimal auf deine nächste Wanderung vorbereiten. Passende Übungen und gute Tipps, wie du das Training ganz unkompliziert in deinen Alltag einbauen kannst, findest du unter sichergehen.ch.

Gut ausgerüstet «so wenig wie möglich – so viel wie nötig»

Eine gute Wanderausrüstung beginnt an den Füssen und endet beim Kopf. Alles rund um die Ausrüstung, von Wanderschuhen über den Rucksack und die Kleidung bis hin zu Karten und Notfallmaterial findest du auf der Webseite sicher-bergwandern.ch vom BFU.

Wir freuen uns, dir bald unsere Lieblings-Wanderrouten der Schweiz vorzustellen. Unsere Beitragsserie «Wanderlust» startet im August – vormerken lohnt sich!
Hat dir dieser Beitrag gefallen? Dann könnte unser Artikel Thema «Wandern im Kanton Zug: Lieblings-Wanderrouten vom Amt für Sport» auch etwas für dich sein.

Weiterführende Informationen und Links:

 

Lösung Mini-Quiz für zwischendurch: Richtige Antworten: 1b) / 2a) / 3a)