Corona-Krise: Gedanken und Empfehlungen für einen positiven Umgang mit der Angst und Unsicherheit

Wir schaffen das!

Ob wir wollen oder nicht - die sogenannte «COVID-Krise» gibt in unserem Alltag den Takt vor. Nun sollen die Massnahmen weiter gelockert werden, die obligatorischen Schulen gehen am 11. Mai wieder auf. Das Ende des «Homeschooling» ist zwar eine gute Nachricht, löst bei vielen Familien jedoch auch Ängste und Unsicherheiten aus. So zum Beispiel bei Familien mit Personen in den eigenen Reihen, die zu den besonders gefährdeten Menschen gehören. Aber auch andere Eltern machen sich Sorgen und stellen sich aktuell viele Fragen: Findet mein Kind im Sommer noch eine Lehrstelle? Können die nötigen Hygiene- und Abstandsregeln in den Schulen überhaupt eingehalten werden? Was machen wir, wenn jemand in der Familie erkrankt? Wie können wir die Einsamkeit, Verzweiflung und schleichende Depression bei Grosseltern lindern? Wann dürfen die Grosseltern eigentlich wieder so richtig zu Besuch kommen? Oder wie organisieren und finanzieren wir die Kinderbetreuung ausserhalb der Familie? Fragen über Fragen. Und es sind bei weitem nicht alle Sorgen und Unsicherheiten. Denn auch die ständige Nähe, Konflikte innerhalb der Familie oder der fehlende Ausgleich ausserhalb des Familiengefüges machen vielen Familien zu schaffen. All das kann negative Gedankenkreise auslösen.

Dieser Beitrag soll Ihnen helfen, mit Ihren Ängsten umzugehen und Ihre Ängste zu reduzieren. Sie erfahren aber auch, wie Sie Glück und positive Emotionen erleben und etwas Gutes tun können.

Der Beitrag wurde von unserer Kollegin Miriam Scammacca verfasst. Sie ist Sozialarbeiterin und in der Abteilung Kinder- und Jugendgesundheit beim Amt für Gesundheit im Kanton Zug tätig. An dieser Stelle, vielen lieben Dank, Miriam!

Mit Ängsten umgehen

Wer von solch unsicheren Zeiten wie der Corona-Krise «profitiert» ist die Angst. Einerseits ist sie ein überlebenswichtiges Gefühl. Sie soll uns beispielsweise vor Gefahren warnen, was in einem angemessenen Mass ja auch sinnvoll ist. Und so halten wir uns eher an die Massnahmen zum Schutz vor dem neuen Coronavirus. Die Angst hat aber auch ihre negativen Seiten. Denn sie kann uns blockieren und unsere Lebensqualität einschränken. Oft ist es auch eine Angst, welche wir nicht richtig beschreiben können.

Wussten Sie, dass Angst auch dann ansteckend ist, wenn wir diese nicht offensichtlich wahrnehmen? Deshalb tun Sie nicht nur sich selbst einen Gefallen, sondern auch Ihren Kindern und den Liebsten, wenn Sie sich mit Ihrer Angst auseinandersetzten und nach Lösungen suchen. Dafür müssen Sie aber zuerst eingestehen, dass eine Situation schwierig ist, bevor Sie versuchen, etwas zu verbessern. Damit uns die Angst nicht überwältigt, müssen wir ihr zuerst einmal Raum geben. Wir sollten uns also erst einmal die Frage stellen, welche Ängste wir haben. Dies kann zwar zusätzliche Angst schüren, aber es hilft, die eigenen diffusen Gefühle einzuordnen.

Versuchen Sie doch mal folgende Übung (Quelle: www.swippa.ch):
  • Schreiben Sie auf einem Blatt 15 Punkte auf, welche Ihnen im Alltag Angst machen.
  • Streichen Sie zehn Punkte durch, welche «nicht veränderbar» sind.
  • Bei den fünf «veränderbaren Punkten» setzen Sie nun Ihre Prioritäten. Überlegen Sie sich, was Sie tun können, um diesen Punkt zu verbessern und wer Sie dabei unterstützen könnte, falls Sie alleine nicht weiterkommen.
  • Fragen Sie sich bei den einzelnen Ängsten jeweils, welches Bedürfnis dahintersteht und was Ihr Beitrag sein könnte, um einen konstruktiven Umgang damit zu entwickeln.
     

«Gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann. Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann. Und gib mir die Weisheit das Eine vom Anderen zu unterscheiden.»
(Karl Paul Reinhold Niebuhr)
 

Wir können Sorgengedanken nicht unterdrücken, sonst kommen sie nur noch häufiger. Aber wir können entscheiden, wie lange wir uns ihnen hingeben und wie viel Macht wir den Sorgen geben wollen. Es ist besser, wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf das lenken, was uns guttut: Ist es eine Entspannung, wie beispielsweise ein heisses Bad oder ein spannendes Buch? Oder wollen Sie sich austoben an der frischen Luft oder vielleicht einfach etwas backen?
 

«Die grösste Entscheidung Deines Lebens liegt darin, dass Du Dein Leben ändern kannst, indem Du deine Geisteshaltung änderst.»
(Albert Schweizer)
 

Für viele ist es aktuell eine sehr herausfordernde Zeit. Aber schauen Sie mal, wer die Menschen sind, die besser durch eine Krise kommen. Es sind die Menschen, denen es gelingt, auch in schwierigen Zeiten einen Sinn zu finden - oder sogar das Gute darin zu sehen. Dies ermöglicht es uns im besten Falle sogar, dass wir durch eine Krise sogar stärker werden und unsere Kompetenzen erweitern.

Die Positive Psychologie, eine Schule, die sich mehr mit menschlichen Stärken als mit Krankheiten beschäftigt, erforscht, wie Menschen durch Krisen und Trauma wachsen können. Die Forschung und Anwendung positiver Interventionen zeigt, dass es kaum Situationen gibt, in denen wir nicht an unserem Wohlbefinden arbeiten können. Gleichzeitig ist aber das Gefühl, etwas tun zu können, genau das, was einem in einer solchen Situation hilft.

Ängste reduzieren

Es gibt verschiedene Strategien, die Ihnen helfen können, Ängste und Sorgen zu reduzieren. Wir haben für Sie zwei davon etwas näher beschreiben:

«Achtsamkeitsübungen» sollen die Menschen zurück ins «Hier und Jetzt» bringen und so die schlechten Gefühle reduzieren. Wer mehr Achtsamkeit erlebt, ist beim Warten geduldiger und fühlt sich auch körperlich gesünder. Erfahren Sie mehr zum Thema in der Rubrik «Achtsamkeit» und im Beitrag «Sei im Hier & Jetzt».

Sogenannte «Flow-Erlebnisse» können negative Gefühle eindämmen. Das bedeutet: Man tut etwas, geht dabei auf und vergisst seine Sorgen. Einen Flow erzeugt man am leichtesten, wenn Sie etwas machen, das Sie herausfordert. Das ist der Fall, wenn sich Menschen mit etwas vertiefen. So kann die Corona-Krise beispielsweise genutzt werden, Neues auszuprobieren oder alte, vernachlässigte Hobbies wiederzubeleben. Stellen Sie sich also die Fragen: Wie kam ich früher in den Flow? Was wollte ich schon lange einmal ausprobieren?

Glück und positive Emotionen erleben

Glück besteht aus vielen ganz unterschiedlichen Aspekten. Der hedonistische Teil - also das Streben nach Sinnenlust und -genuss - erleben viele, wenn sie sich mit anderen treffen, auswärts essen gehen, Kulturveranstaltungen besuchen oder bei Spass und Action. Doch der Lockdown macht uns da gerade einen Strich durch die Rechnung. Wir konsumieren weniger, reisen nicht oder kaum und können nichts mehr in Gruppen machen. All das lenkt den Fokus auf unsere inneren Ressourcen: Wie steht es mit der Harmonie mit uns selbst und in unseren Beziehungen? Selbstverständlich können wir trotz Einschränkungen Glück und positive Emotionen erleben. Der Lockdown fordert uns jedoch auf, neue Quellen des Wohlbefindens aufzugreifen, solche neu zu entdecken und dies alles auch bewusst zu fördern. Uns beschäftigen dabei viele Fragen: Was macht mir Freude? Was fühlt sich gut an? Wann bin ich in meinem Element? Was ist mir wichtig? Was möchte ich vermehrt (aus)leben?

Wir haben für Sie einige Ideen mit möglichen Übungen zusammengestellt, welche Sie selber durchführen können. Vielleicht spricht Sie eine an, probieren Sie es doch einfach aus:

  • Schreiben Sie für mindestens eine Woche lang jeden Abend mindestens eine Sache auf, die Ihnen am Tag sinnvoll erschienen ist.
  • Schreiben Sie mindestens eine Woche lang am Abend jeweils drei gute Dinge auf, die Sie während des Tages erlebten. Wofür waren Sie heute dankbar? Sie verstärken die Wirkung, wenn Sie auch den Grund aufschreiben, weshalb Sie für diese Sache dankbar sind. Es können kleine Sachen sein, wie das Lächeln einer Kassierin beim Einkaufen, eine wunderschöne Blume auf dem Feld in Ihrer Nähe. Es können aber auch grössere Sachen sein, wie die Freude an der tollen Wohnung oder dass ein Freund von Ihnen wieder gesund ist.
  • Möchten Sie eine positive Emotion intensivieren, beispielsweise mehr Humor im Alltag erleben? Worüber können Sie lachen oder schmunzeln? Schreiben Sie eine Woche lang jeden Abend drei lustige Erlebnisse/Beobachtungen auf und welche Gefühle dabei bei Ihnen ausgelöst wurden. Sie können den Alltagshumor zusätzlich ausbauen, indem Sie Witze lesen, sich bewusst lustige Filme anschauen oder mit anderen per WhatsApp lustige Filme austauschen.

Bereits nach einer Woche konsequenten Übens wird sich die Wahrnehmung Ihrer eigenen Umwelt erheblich verändern. Ihr Gehirn fokussiert sich vermehrt auf das Positive und es wird Ihnen bewusster, wieviel Gutes in Ihrem Leben vorkommt. Glück im Sinne von Wohlbefinden ist zu einem grossen Teil trainierbar - wie ein Muskel, der wächst, wenn man ihn regelmässig trainiert.

Etwas Gutes tun

Wissen Sie, welche die schnellste und effizienteste Art und Weise ist, aus einem momentanen Stimmungstief zu kommen? Helfen Sie anderen Menschen! Indem Sie etwas Gutes für andere tun, belohnt Sie Ihr Gehirn mit einem warmen Wohlgefühl. Wenn Sie es mal kaum schaffen aus den negativen Gedankenkreisen auszubrechen, überlegen Sie sich, wem Sie eine Freude oder einen Gefallen machen könnten. Auch wenn das Gegenüber keine direkte Dankbarkeit ausspricht, schüttet Ihr Gehirn Glückshormone aus. Übrigens: auch positive Gefühle sind ansteckend! Wenn Sie in Ihrem Alltag mehr positive Emotionen erleben, fördern Sie indirekt auch die positiven Gefühle Ihrer Familienmitglieder und tragen so zu einer guten Stimmung bei.
 

«Es ist nicht genug zu wissen - man muss auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen - man muss auch tun.»
(Johann Wolfgang von Goethe)
 

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesen Hinweisen und Übungen helfen konnten, diese schwierige Zeit etwas besser zu meistern. Fall Sie noch mehr Informationen wünschen, finden Sie hier hilfreiche Links, Quellen und weitere interessante Beiträge: