Positives Körperbild - ungefiltert ist's am besten

Positives Körperbild

Wir werden über Social Media mit anderen Menschen virtuell verbunden, können Orte und Bilder teilen und dabei erzählen, wie erlebnisreich die letzten Sommerferien waren und unseren Followerinnen und Follower zeigen, wo wir gerade sind – doch bieten diese Plattformen auch Schattenseiten. Perfekter Körper hier, makellose Haut da – einmal über den Instagram-Feed scrollen und es scheint, als würde nur «dieser eine perfekte Körper» der Norm entsprechen. Sei es durch Schönheitsfilter oder Bildbearbeitung – der Realität entspricht das Ganze nicht.
Dies kann nicht nur unser eigenes Körperbild beeinflussen, sondern auch unser Selbstwertgefühl. In diesem Beitrag sprechen wir darüber, was ein positives Körperbild überhaupt bedeutet und geben dir ausserdem Tipps zu einem gesunden Umgang mit Social Media in Bezug auf dein Körperbild.


«Je perfekter wir versuchen zu sein, desto mehr entfernen wir uns von dem, was uns wirklich ausmacht.»
− Brené Brown –

 

Was ist überhaupt ein «Körperbild»?

Bestimmt hast du den Begriff «healthy body image» oder eben «positives Körperbild» schon mehrmals gehört. Aber weisst du eigentlich auch, was «Körperbild» genau bedeutet?
Der Begriff «Körperbild» beschreibt die persönlichen Einstellungen und die Zufriedenheit mit unserem eigenen Körper und mit dem, was er kann. Dabei werden bereits in der Kindheit und Jugend erste Grundlagen zur körperbildbezogenen Selbstwahrnehmung gebildet. Das Körperbild ist für uns ein wichtiger Faktor, denn er ist unter anderem Bestandteil der eigenen Identität und des Selbstkonzepts, bildet aber auch eine Grundlage zur Integration in die Gesellschaft. Wie wir unseren Körper wahrnehmen, hängt von verschiedenen Faktoren ab und ist darüber hinaus auch von Person zu Person unterschiedlich. Unser Körperbild entspricht dabei nicht immer der Realität. Viele Menschen nehmen ihren Körper beispielsweise als dicker wahr, als er wirklich ist. Ausserdem ist das eigene Aussehen bei jedem Menschen mit Gefühlen verbunden. Sind wir zufrieden, löst dies bei uns eher positive Gefühle aus, sind wir eher unzufrieden mit dem äusseren Erscheinungsbild, löst dies eher negative Gefühle aus. Diese Gefühle, welche wir unserem Körper und dessen Erscheinungsbild entgegenbringen, hängen mit Gedanken und Überzeugungen zusammen. So kann es zum Beispiel sein, dass wir mit einem bestimmten Merkmal unseres Körpers nicht zufrieden sind, weil wir es uns grösser oder muskulöser wünschen. Diese Gefühle und Überzeugungen können sich folglich auch auf unser Verhalten auswirken. Sind wir mit einem bestimmten Merkmal nicht zufrieden, kann das sogar dazu führen, dass bestimmte Aktivitäten vermieden werden, weil dies ein unbehagliches Gefühl auslösen kann.

Du siehst, der Begriff «Körperbild» ist komplex und von verschiedenen Faktoren abhängig.

Positives Körperbild

Nach dieser ersten Annäherung an den Begriff Körperbild wollen wir auch noch erklären, was genau ein positives Körperbild ist. Es heisst nichts anderes, als dass sich eine Person in ihrem Körper wohl fühlt und zufrieden ist, dabei spielt weder das Gewicht, die Körpergrösse noch die Körperform eine Rolle. Sie nimmt ihren Körper realistisch wahr und bewertet sich mehrheitlich mit positiven Begriffen. Schwächen werden dabei eher als Potential für die eigene Weiterentwicklung angesehen. Durch das damit einhergehende gute Selbstwertgefühl werden unrealistische Körperideale, wie wir sie beispielsweise in den sozialen Medien oftmals vermittelt bekommen, eher hinterfragt und abgelehnt. Unser Körperbild ist dabei nicht starr und unveränderbar – im Gegenteil: Es wird von unserer Umgebung mitbeeinflusst und kann sich dementsprechend auch formen. Wichtig dabei bleibt, sich nicht vorschreiben zu lassen, wie ein idealer Körper aussehen soll. Du selber entscheidest darüber, wie du deinen Körper siehst und was du in Bezug auf ihn fühlst und denkst.

Der Einfluss von Social Media

Es wird nicht nur in der Werbeindustrie auf Fotos, Plakaten oder Anzeigen fleissig retuschiert, sondern auch in den sozialen Medien. Mit wenigen Ausnahmen herrscht noch immer ein sehr einseitiges Schönheitsideal. Diese verzerrten Wirklichkeiten können negativen Einfluss auf das Körperbild sowie den Selbstwert haben, besonders bei Jugendlichen, welche ohnehin in der Pubertät ihren Körper kritisch beurteilen. Oftmals suchen sich Kinder und Jugendliche ein Vorbild, um sich vergleichen zu können – und genau solche Vergleiche können dem Selbstwert schaden. Laut einer Umfrage von Gesundheitsförderung Schweiz (2016) finden sich 58% der 13-16-Jährigen zu dick oder zu dünn. Dass gerade bei dieser Altersgruppe (12-13-Jährigen) 93% eine Mitgliedschaft bei Instagram haben, ist besorgniserregend.
Auf Social Media wird die Realität mit Echtzeitfiltern und Photoshop deutlich verzerrt. Perfekte weisse Zähne, makellose Haut, vorstehende Wangenknochen und perfektionierte Silhouetten, um nur ein paar davon zu nennen, können mit einem Klick durch Filter oder Apps hergezaubert werden. Was daraus entsteht: Ein beinahe unerreichbares Schönheitsideal, was der psychischen Gesundheit schadet. Wir haben dir weiter unten in diesem Beitrag Tipps zusammengestellt, die dir beim Umgang mit Social Media in Bezug auf das Körperbild helfen können.

Wusstest du, dass…

… in Frankreich und in Norwegen manipulierte und retuschierte Fotos gekennzeichnet werden müssen? Dies gilt nicht nur für Influencerinnen und Influencer und soziale Netzwerke, sondern auch für klassische Werbungen. Egal ob Änderungen in der Körperform oder im Gesicht: Wo nachgeholfen wird, muss eine Kennzeichnung her.

Body Positivity

Es geht aber auch anders! Unter dem Begriff «Body Positivity» versuchen diverse Bloggerinnen und Blogger, dem Schönheits-Filterwahn den Kampf anzusagen. Sie versuchen, auf ein positives Körperbild zu sensibilisieren und stellen diese unerreichbaren Schönheitsideale in Frage. Dadurch wird ein Zeichen gesetzt und es soll junge Menschen dazu motivieren, diese Schönheitsideale kritischer zu betrachten und sich selber so zu lieben, wie man ist.

Tipps zum gesunden Umgang mit Social Media

  • Lass dich nicht von den Medien beeinflussen: Medien können Bilder so verändern, dass wir sie als perfekt wahrnehmen. Dies kann zu einer verzerrten Vorstellung vom idealen Körper führen. Behalte dies immer im Hinterkopf, wenn du auf Social Media aktiv bist.
  • Finde deinen eigenen Stil: Finde Kleidung, in der du dich wohlfühlst. Wechselnde Modetrends auf Laufstegen und Zeitschriften passen nicht jedem.
  • Stell deine Waage in den Schrank: Es geht vor allem darum, wie du dich fühlst und wie es dir geht, nicht, wie viel du wiegst.
  • Schätze deinen Körper für das, was er kann: Bewerte deinen Körper nicht nach seinem Aussehen, sondern nach dem, was er kann.

Mehr Tipps findest du hier.

Unsere Doku-Empfehlung für dich

In dieser Dokumentation geht eine Reporterin der Frage nach, welche Beziehungen wir zu unserem Körper haben und trifft dabei auf unterschiedlichste Menschen, darunter auch jene, die dem Schönheitsideal nicht entsprechen. Reporter - Mein Körper und ich - Play SRF

 

Referenzen
Gesundheitsförderung Schweiz. (2016). Positives Körperbild – Grundbegriffe, Einflussfaktoren und Auswirkungen. Gesundheitsförderung Schweiz.
Gesundheitsförderung Schweiz. (2017). Positives Körperbild bei Jugendlichen in der Schweiz. No. 25. Gesundheitsförderung Schweiz.
Jugend und Medien (n.d). Selbstdarstellung und Schönheitsideale. Zugriff unter: https://www.jugendundmedien.ch/themen/selbstdarstellung-und-schoenheitsideale
Rychen, B. (2023). Wenn die Psyche Herrscher über das Essen wird. PEP Prävention Essstörungen Praxisnah.

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