Wie geht's dir? - Eine Frage mit grosser Bedeutung

Wie geht's dir?

Wie geht es dir? Eine Frage, die häufig gestellt wird und der du beinahe täglich begegnest. Wie lautet deine Antwort darauf? Beantwortest du sie immer ehrlich? Oder hast du das Gefühl, du wirst sowieso nur gefragt, weil es aus Höflichkeit so gemacht wird?
Dieser Beitrag nimmt sich der Frage nach unserem Wohlbefinden an und zeigt auf, wie wichtig ein «Wie geht es dir» vor allem auch in schwierigen Zeiten sein kann. Wir werfen einen Blick darauf, wie es uns in der Schweiz geht und wie du dich verhalten kannst, wenn du merkst, dass es einem Mitmenschen nicht gut geht. Zudem möchten wir dir Tipps geben, wie du auch im Homeoffice mit deinen Teamkolleginnen und Teamkollegen in Kontakt bleiben kannst.

Wie geht es uns?

Die Stiftung Pro Mente Sana führte 2018 in Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle Sotomo eine grosse Umfrage zum psychischen Wohlbefinden der Schweizer Bevölkerung durch. Ziel war es herauszufinden, wie es den Menschen in der Schweiz wirklich geht. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass die meisten der Teilnehmenden (knapp 70%) auf die Eingangsfrage «Wie geht es Ihnen heute?» mit «gut» oder «sehr gut» geantwortet haben. Fast niemand (nur 2%) gab an, sich ganz schlecht zu fühlen. Interessanterweise gab aber später in der Umfrage rund ein Fünftel an, sich gegenwärtig in einem bereits schon länger andauernden psychischen Tief zu befinden. Anders ausgedrückt: Diesen Personen scheint es im Moment nicht gut zu gehen. Von den restlichen Befragten gab nur ein Drittel an, noch nie ein psychisches Tief erlebt zu haben. Daraus lässt sich schliessen, dass auf die Frage «Wie geht es dir?» sehr oft nicht ganz ehrlich geantwortet wird und sich hinter einem knappen «gut» oder «sehr gut» mehr verbirgt als zugegeben wird. Wieso ist das so? 74% aller Studienteilnehmenden gaben an, dass für sie die Frage eine Floskel sei – nicht mehr als ein höflicher Gesprächseinstieg. Darauf wird ganz standardmässig mit «gut» geantwortet. Die Studienautorinnen und -autoren haben zudem herausgefunden, dass die Antworten auf die Frage ehrlicher sind, wenn sie im Freundeskreis gestellt wird. Ebenfalls geben Männer und ältere Personen mit höherer Wahrscheinlichkeit eine wahrheitsgetreuere Antwort. Problematisch in diesem Zusammenhang ist, dass Personen, die schon länger in einem Tief stecken noch mehr dazu neigen, ihr wahres Befinden zu verbergen. Warum möchte kaum jemand darüber sprechen? Der Hauptgrund dafür, dass man seine wahre Stimmung und psychische Verfassung verbirgt, ist die Angst vor den Reaktionen des Umfelds. Die betroffenen Personen befürchten unter anderem, dass sie als nicht leistungsfähig wahrgenommen werden, labil und schwach sind oder dass sich andere von ihnen abwenden.
Wie du vielleicht festgestellt hast, wurde diese Umfrage noch vor der Corona-Pandemie durchgeführt. Wie hat sich die Pandemie auf unser psychisches Wohlbefinden ausgewirkt? Eines steht fest: Die Pandemie hat Spuren bei unserer Gesundheit hinterlassen. Eine Studie der CSS in Zusammenarbeit mit Sotomo hat ergeben, dass der Anteil an Erwachsenen, die sich als sehr gesund oder gesund einschätzen von 78% auf 73% gesunken ist. Erfreulicherweise kann aber auch berichtet werden, dass es der Schweizer Bevölkerung trotz anhaltender Krise psychisch mehrheitlich gut geht. Knapp 30% gaben bei der Befragung sogar an, dass die Pandemieerfahrungen ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen erhöht hat. Allerdings waren diese Personen auch vor der Pandemie bereits in einer guten psychischen Verfassung. Die Diskrepanz zwischen psychisch robusten Personen und weniger robusten ist durch die Pandemie grösser geworden. Ernst zu nehmen ist zudem die Situation von jungen Frauen (bis 30 Jahre). Rund 50% von ihnen bewerten ihr Befinden als «durchzogen» oder schlechter. Auch die 18- bis 35-jährigen fühlen sich vermehrt unter Druck stets gesund und leistungsfähig sein zu müssen. Ebenfalls stark gelitten haben in der Schweiz Jugendliche und jüngere Erwachsene. Bei Interesse kannst du hier nachlesen, wie es den jüngeren Personen in der Schweiz während der Pandemie ergangen ist.

Nun aber wieder zurück zu unserer eigentlichen Frage:

Wie geht es dir?

Hast du schon einmal von der «Wie geht’s dir?»-Kampagne gehört? Es handelt sich dabei um eine nationale Kampagne, die die psychische Gesundheit der Bevölkerung fördern und psychische Erkrankungen entstigmatisieren möchte. Ziel ist es, die Menschen für das Thema zu sensibilisieren und zu ermutigen, über psychische Probleme zu sprechen. Auf der Webseite findest du unter anderem spannende Informationen, Broschüren und Kampagnenmaterial. Schau doch mal vorbei (hier geht’s direkt zur Webseite).

Bist du heute schon gefragt worden, wie es dir geht? Oder hast du dir die Zeit genommen, selbst über dein Befinden nachzudenken? Wie würde deine Antwort auf die Frage «Wie geht es dir wirklich?» lauten? Nimm dir kurz Zeit und denke nach, wie du dich im Moment fühlst. Wenn du von deinen Mitmenschen nach deinem Befinden gefragt wirst, sei mutig und gib ihnen eine ehrliche Antwort. Auch wenn die Frage längst wie eine Höflichkeitsfloskel klingt: Vielen Personen in deinem Umfeld liegt wirklich etwas daran, wie es dir geht. Vielleicht hast du die Frage auch selbst bereits öfters als Gesprächseinstieg verwendet? Achte künftig darauf, dass du deinem Gegenüber Raum für eine ehrliche Antwort schaffst. Höre aufrichtig zu. Bereits ein einfaches, ernst gemeintes «Wie geht’s dir» kann eine grosse Wirkung haben. Wenn du jemandem die «Wie geht’s dir»-Frage stellst, ist es gut möglich, dass die Antwort nicht immer positiv ausfällt. Wie kannst du dann reagieren?

Wie reagieren, wenn es jemandem nicht gut geht?

Allgemein gilt, die betroffene Person angemessen darauf anzusprechen. Was bedeutet das konkret? Als erstes solltest du deinen Gefühlen vertrauen, wenn sie dir signalisieren, dass es einem Mitmenschen (egal ob im beruflichen oder privaten Kontext) nicht gut geht. Äussere deine Sorgen und sprich jeweils aus deiner Wahrnehmungsperspektive. Du kannst ein Gespräch beispielweise folgendermassen beginnen: «Mir ist aufgefallen, dass … Ich mache mir Sorgen, dass es dir nicht gut geht. Möchtest du darüber reden?». Sei dir bewusst, dass du vielleicht nicht gleich eine Antwort erhältst. Signalisiere, dass du Zeit hast und höre aufrichtig zu. Falls sich die betroffene Person dir gegenüber öffnet und zu erzählen beginnt, dann höre ihr aufmerksam zu. Werde nicht gleich aktiv, sondern lasse ihr die Zeit sich die Sorgen von der Seele zu reden. Versuche dabei die geschilderten Probleme nicht zu bewerten, sondern nimm sie ernst. Falls nötig, sichere der Person deine Hilfe zu und ermutige sie bei Bedarf externe Unterstützung zu suchen und anzunehmen. Beim Ganzen solltest du aber auch nie deine eigenen Grenzen überschreiten. Es kann sehr belastend sein, jemandem in einer Krise beizustehen. Schaue also auch auf dich und hole dir selbst Hilfe, wenn du dich überfordert fühlst.
Merke dir: Darüber zu reden ist der erste Schritt (Unterstützungsangebote findest du hier). Bei den Broschüren der «Wie geht’s dir?»-Kampagne findest du zudem hilfreiche Gesprächtipps oder auch Ratgeber mit Informationen zur psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz für Arbeitnehmende sowie einen Ratgeber für Führungspersonen. Im Ratgeber für Führungspersonen kannst du beispielsweise nachlesen, wie du psychische Belastungen erkennen und ein Gespräch mit der betroffenen Person führen kannst.
Wichtig bei diesem ganzen Thema ist, regelmässig miteinander in Kontakt zu sein. Nur so ist es möglich, sich gegenseitig über das eigene Befinden auszutauschen und mit grösserer Wahrscheinlichkeit zu bemerken, wenn es jemandem nicht gut geht. Dementsprechend kann dann auch Unterstützung angeboten oder auf unterstützende Angebote aufmerksam gemacht werden. Besonders zu Homeoffice-Zeiten ist es nicht immer ganz einfach, regelmässig in Kontakt zu bleiben.

Während der Arbeit zu Hause in Kontakt bleiben

Homeoffice ist mittlerweile für einige Personen schon fast zum Alltag geworden. Manche mögen und schätzen es, andere weniger. Im Homeoffice ist es nicht ganz einfach mit seinen Teamkolleginnen und Teamkollegen regelmässig in Kontakt zu bleiben. Im Büro findet automatisch ein sozialer Austausch statt. Man trinkt zusammen einen Kaffee oder tauscht sich beim Vorbeigehen kurz über das vergangene Wochenende oder sein Wohlbefinden aus. Du weisst, was läuft und wie es den andern geht. Im Homeoffice fallen alle diese informellen Interaktionen weg. Häufig wird nur noch Geschäftliches besprochen oder man hört und sieht tagelang keinen mehr. Genau in solchen Situationen ist es sehr wichtig, dass du in Kontakt bleibst, da dir die Verbundenheit mit dem Arbeitsteam wichtigen Halt gibt.
Bist du auch im Homeoffice? Und fällt es dir schwer, mit deinen Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen im Austausch zu bleiben und zu wissen wie es ihnen geht? Dann findest du nachfolgend einige Ideen und Tipps, diese Herausforderung anzugehen. Die Ideen eignen sich nicht nur für Mitarbeitende, sondern auch für Führungspersonen.

Tipps & Ideen

  • Organisiere virtuelle Kaffeepausen. Trefft euch zum Beispiel einmal in der Woche zum Kaffee. Schau, dass sich die Unterhaltung nicht nur um die Arbeit dreht. Es soll sich auch niemand dazu verpflichtet fühlen, daran teilzunehmen. Weitere Pauseninspirationen findest du hier.
  • Schalte wann immer möglich dein Video bei Besprechungen ein. So erhältst du auch über die Mimik deines Gegenübers Informationen zu seinem Befinden.
  • Bei der schriftlichen Kommunikation über E-Mail oder Chat fällt ein grosser Teil der non-verbalen Kommunikation weg. Rufe deshalb deine Mitarbeitenden oder Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen ab und zu an. Vor allem wenn es um emotionale Angelegenheiten geht.
  • Wenn du jemanden schon längere Zeit nicht mehr gesprochen oder gesehen hast, ruf sie oder ihn mal an und frage nach, wie es ihr oder ihm geht und an was sie/er gerade arbeitet. Erzähle auchwomit du gerade beschäftigt bist. Du kannst natürlich auch eine kurze Nachricht schreiben, wenn du nicht anrufen möchtest (egal ob über WhatsApp, Chat oder E-Mail).
  • Erstelle einen Team-Chat, in dem auch explizit Privates geteilt werden darf.
  • Organisiere Team-Challenges. Inspirationen findest du hier.

Weiterführende Informationen

Hier findest du weitere Tipps und Informationen rund ums Thema Homeoffice:

 

 

Referenzen:
Bühler, G., Hermann, M., Krähenbühl, D., & Würgler, E. (2018). «Wie geht's dir?» Ein psychisches Stimmungsbild der Schweiz. Forschungsstelle Sotomo im Auftrag von Pro Mente Sana. https://sotomo.ch/site/wp-content/uploads/2020/12/wie-gehts-dir-pro-mente-sana-sotomo.pdf
Craviolini, J., Hermann, M., Krähenbühl, D., & Wenger, V. (2021). Die CSS-Gesundheitsstudie 2021. Forschungsstelle Sotomo im Auftrag von CSS Versicherung.
Galliker, E. (2020, März). Survival-Guide fürs Homeoffice. SUVA. https://www.suva.ch/de-ch/news/tipps/homeoffice-wie-geht-das
Hobacher, X., & Hoisel, A. (o.D.). Was tun, wenn es jemandem schlecht geht. Feel-ok.at. https://www.feel-ok.at/de_AT/jugendliche/themen/suizidalitaet/hilfsangebote/sich_sorgen_ma

Das könnte dich auch interessieren:

22. August 2022

Alleinsein vs. Einsamkeit

30. September 2021

SOPHIE & OPTIMIZE

19. November 2020

«Kannst du mir helfen?»