Waldbaden tut deiner Gesundheit gut

«Shinrin-Yoku»

Kennst du das Gefühl, im Wald zu sein und alles ist plötzlich leicht und fühlt sich einfach nur gut an? Woher kommt das gute Gefühl im Wald?
Der gesunde Menschenverstand sagt: «Uns tut gut, was natürlich ist». Dies hat seine Berechtigung, denn die Wissenschaft belegt, dass ein Aufenthalt im Wald unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden nachweislich positiv beeinflusst. In Japan wurde dafür ein schöner Begriff erschaffen: Shinrin-Yoku – auf Deutsch Waldbaden.

Was bedeutet Shinrin-Yoku?

Shinrin-Yoku (森林浴) hat seinen Ursprung in Japan und bedeutet Eintauchen in den Wald oder Bewusst-Sein im Wald. Erstmals wurde Shinrin-Yoku vom japanischen Amt für Wald im Jahr 1982 im Sinne der Gesundheitsförderung der Bevölkerung empfohlen. Seither hat es sich so bewährt, dass Waldbaden in Japan mittlerweile eine anerkannte Methode im Bereich des Stressmanagements und der Entspannung ist. Dies ist nicht verwunderlich, denn Waldbaden bedeutet: Alle Empfindungen im Innen und Sinneseindrücke im Aussen wahrzunehmen. Man fokussiert sich dabei auf folgende vier unserer fünf Sinne:

  • Hören, die auditive Wahrnehmung mit den Ohren
  • Sehen, die visuelle Wahrnehmung mit den Augen
  • Tasten, die taktile Wahrnehmung mit der Haut
  • Riechen, die olfaktorische Wahrnehmung mit der Nase

Unsere Sinne und die Sinneswahrnehmungen stehen beim Waldbaden also im Zentrum.

Shinrin-Yoku bedeutet, dass du deine Aufmerksamkeit vollends auf das richtest, was du hörst, siehst, fühlst und riechst. Du bist präsent im Hier & Jetzt und nimmst wahr, was ist. Dabei gehst du mit deinen Sinnen auf Reisen und erkundest die Natur - den Wald.

Riechst du den Duft des Waldes? Spürst du die Tannenzapfen unter deinen Füssen? Hörst du das Knistern des Laubes, während du gehst? Zwitschern die Vögel? Rauschen die Blätter im Wind? Regnet es vielleicht und spürst du die Regentropfen auf deiner Haut? Wie fühlt sich die Rinde eines Baumes an? All diese Dinge und vieles mehr nimmst du beim Waldbaden wahr. Dies möglichst ohne zu bewerten, mit einer freundlichen Grundhaltung - eine der sieben Grundhaltungen der Achtsamkeit. Deshalb wird Shinrin-Yoku ab und an auch Wald-Meditation oder Achtsamkeit im Wald genannt.
 

«Achtsamkeit bringt dich nach Hause in die Gegenwart.»
(Thich Nhat Hanh)


Wohlfühloase Wald – Wieso tut der Wald uns Menschen so gut?

Wohnst du im Kanton Zug, kannst du dich glücklich schätzen. Knapp ein Drittel der Fläche des Kantons ist von Wald bedeckt, der seit einigen Jahren als «Gesundmacher» bzw. «Gesunderhalter» wahrgenommen wird. «Warum tut der Wald uns Menschen so gut?». Diese Frage beschäftigt die Wissenschaft schon seit längerem. Untersuchungen zur Gesundheitswirkung des Waldes zeigen ein breites Spektrum an positiven Effekten, die ein Waldbesuch auf uns Menschen haben kann. Im Vergleich zu Aufenthalten in städtischen/urbanen Gebieten, scheinen Waldbesuche gemäss aktuellem Stand der Forschung stressreduzierend und antidepressiv zu wirken, das Immunsystem und Herz-Kreislauf-System zu stärken sowie die kognitiven Funktionen zu verbessern.

Positive Effekte des Waldes auf unseren Körper

Hast du bei einem Spaziergang im Wald schon mal bewusst auf deinen Herzschlag geachtet? Nicht? Dann solltest du es beim nächsten Mal unbedingt tun.
Verschiedene Studien haben nämlich gezeigt, dass Blutdruck und Puls (Herzschlag) beim Aufenthalt im Wald sinken, die Herzratenvariabilität (Indikator für Entspannung/Regeneration) steigt und die Konzentration von Stresshormonen wie Adrenalin und Cortisol abnimmt.
Besonders interessant sind erste wissenschaftliche Erkenntnisse zur Wirkung von Waldbesuchen auf das menschliche Immunsystem. Insbesondere in der aktuellen Situation mit dem Coronavirus, in der wir alle ein starkes Immunsystem brauchen, könnten sich Aufenthalte im Wald lohnen. Dabei spielen vor allem die natürlichen Killerzellen eine wesentliche Rolle, die virusbefallene Zellen im Körper erkennen und abtöten. Waldbesuche scheinen die Aktivität dieser natürlichen Killerzellen im Körper nachweislich positiv zu beeinflussen. Darüber hinaus zeigen erste Untersuchungen, dass dieser Effekt sogar über mehrere Tage anhält. Dein Körper profitiert also nicht nur am Tag des Waldbesuchs selbst, sondern auch die Tage danach.

Positive Effekte des Waldes auf unsere Psyche

Der Wald beeinflusst nicht nur deinen Körper positiv, sondern auch deine Psyche. Untersuchungen zeigen, dass positive Emotionen wie Entspanntheit, Wohlgefühl, Vitalität und Erfrischung durch einen Waldbesuch zunehmen, während negative Gefühle nachlassen. Weiter weisen neuere Studien auf einen möglichen Nutzen von Wäldern als Raum für Therapieprogramme bei depressiven Störungen hin. Neben den psychologischen und physiologischen Effekten scheint der Wald – die Natur – ein guter Raum zur Reflexion und Problemlösung zu sein. Gemäss einigen Forschenden fällt es uns Menschen in der Natur leichter, persönliche Probleme zu reflektieren, was sich wiederum positiv auf die Gesundheit auswirken kann. Ausserdem ist das Naturerlebnis für eine gesunde Entwicklung von Kindern wichtig und prägend für ihren späteren Lebensstil.

Wenn dir diese Argumente für einen Besuch im Wald noch nicht reichen, haben wir noch etwas für dich. Solltest du zu denjenigen gehören, die einen Spaziergang im Wald als langweilig empfinden und möchtest du dich lieber erst auf eine aktive Weise ans Waldbaden rantasten, empfehlen wir dir einen Besuch im Waldparcours in Oberwil. Dort trifft sich Sport, Kultur und Natur. An den insgesamt 11 Posten kannst du dich sowohl körperlich verausgaben wie auch kreativ inspirieren lassen. Du bewegst dich dabei durch den Wald oberhalb von Oberwil und kannst die Natur auf deinen Körper wirken lassen.
Bist du eher interessiert an der Natur und dem vielfältigen Leben in unseren Wäldern, empfehlen wir dir einen Ausflug in den Städtlerwald in Cham, den Steihuserwald, ins Mänzingerholz oder nach St. Jost in Oberägeri. In diesen Zuger Wäldern befindet sich der Parcours zur Waldvielfalt, der im Rahmen der Kampagne «Wald-Vielfalt», zur Stärkung der Biodiversität in Schweizer Wäldern, vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) lanciert wurde. Während du in den Wald eintauchst, triffst du an verschiedenen Posten auf eine Vielzahl von Informationen rund um den Wald und seine Bewohner. Der Parcours eignet sich gut für einen Ausflug mit der ganzen Familie.

Im Pocket Guide von Mindfulmind findest du 10 Dinge, die du fürs Waldbaden wissen solltest.

Wir wünschen dir viel Freude, Erholung und Entspannung im Wald.
 

Referenzen:

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