Montagsblues: Stimmungstief zu Wochenbeginn?

Montagsblues

Kennst du das Gefühl, wenn am Montagmorgen der Wecker klingelt und du nicht aufstehen willst? So gar keine Lust auf die Arbeit? Lieber nochmals umdrehen und weiterschlafen? Keine Sorge, mit diesem Gefühl bist du nicht allein. Zu schön und kurz waren doch die vergangenen zwei Tage. Nichtsdestotrotz müssen wir uns überwinden und in die neue Woche starten. Das Gute daran? Der Montag hat auch nur 24 Stunden. Ob es den sogenannten Montagsblues wirklich gibt und was es mit dem Sonntagsblues auf sich hat, erfährst du in diesem Beitrag.

Was steckt hinter dem Montagsblues?

Beim Montagsblues handelt es sich um ein Phänomen, bei welchem sich Personen am Montag schlechter fühlen als an anderen Wochentagen. Die Stimmung soll am Montag besonders tief und die Lust auf die Arbeit kaum vorhanden sein. Hast du das Gefühl, dass du am Montag weniger gut drauf bist? Keine Motivation hast?
In der Forschung ist der Montagsblues sehr umstritten. Die Befundlage dementsprechend heterogen und es lässt sich keine klare Aussage tätigen. Es ist also fraglich, ob es den Montagsblues überhaupt gibt. Die Studie von Olivier Weigelt und Kollegen aus dem Jahr 2021 kam zum Ergebnis, dass die Vitalität von Personen übers Wochenende kontinuierlich ansteigt, am Montag abfällt, bis Donnerstag ungefähr auf demselben Level bleibt und erst am Freitag wieder zunimmt («Thank God it’s Friday»-Effekt). Die Personen fühlen sich unter der Woche also immer etwa gleich vital. Das erfasste Wohlbefinden zeigte ebenfalls keine Unterschiede zwischen den Wochentagen auf. Die befragten Personen scheinen sich an Montagen nicht schlechter zu fühlen als dienstags, mittwochs oder donnerstags. Hier ist anzumerken, dass die Ergebnisse auf den Durchschnittswerten der untersuchten Personen basieren. Schaut man sich die individuellen Verläufe an, stellt man fest, dass es sowohl Personen gibt, die sich am Montag schlechter fühlen als auch Personen, bei denen es keinen Unterschied macht.
Höchstwahrscheinlich gibt es auch Personen, die sich am Montag sogar besser fühlen. Als möglichen Grund (für die schlechtere subjektive Wahrnehmung des Montags) nennen die Autorinnen und Autoren den starken Kontrast zwischen dem Wochenende und dem Montag. Am Wochenende erleben viele Personen ein Hoch. Neben diesem Hoch wirkt der darauffolgende Montag wie ein Tief. Einen weiteren Grund können die veränderten Schlafgewohnheiten darstellen. Am Wochenende bleiben wir meist länger wach und bleiben am nächsten Tag länger im Bett liegen. Klingelt der Wecker am Montag plötzlich wieder zwei Stunden früher, ist unsere innere Uhr nicht mehr im Takt. Das Schlafhormon Melatonin wirkt noch immer in unserem Körper und drückt auf die Stimmung.

Eine andere Forschergruppe stellte fest, dass Personen zu Beginn der Arbeitswoche eine geringere Zufriedenheit aufzeigen und mehr Stressfaktoren wahrnehmen. Was nun? Montagsblues ja oder nein? Eine interessante Antwort darauf liefert die Metaanalyse von Areni und Kollegen. Sie fanden heraus, dass sich der Effekt nur zeigt, wenn die Personen retrospektiv zu ihrer Stimmung befragt wurden. Wurde die Stimmung in Echtzeit gemessen, konnte der Montagsblues nicht mehr gefunden werden. Wieso das? Wir tun uns schwer, uns im Nachhinein an den exakten Gefühlszustand zu erinnern. Werden wir gefragt, wie wir uns am letzten Montag gefühlt haben, dann kommt uns sehr schnell in den Sinn, dass wir dann arbeiten mussten. Andere Ereignisse, die wir möglicherweise auch an diesem Montag erlebt haben und positiv waren, werden eher ausgeblendet. Häufig werden beim Gedanke an die Arbeit nur die negativen Aspekte davon hervorgehoben. Dies beeinflusst dann logischerweise die Aussage zur Stimmung. Beim Wochenende ist es gerade umgekehrt. Werden wir danach gefragt, werden in unserem Gehirn stereotypische Assoziationen (z.B. schöne Aktivitäten, Unbeschwertheit, Spass, etc.) aktiviert. Im Nachhinein bewertet, kann ein Wochenende ja gar nicht schlecht gewesen sein? Wir hatten ja schliesslich frei.
Arbeitet jemand am Wochenende, so wird sich der möglicherweise existierende Montagsblues nicht am Montag zeigen, sondern am Tag nach ihrem «Wochenende».

Gibt’s einen Sonntagsblues?

Es gibt Personen, die den Sonntag nicht besonders mögen. Allein der Gedanke daran, dass der Montag schon wieder vor der Tür steht, kann bei gewissen Menschen eine Stressreaktion auslösen. Zu diesem Phänomen lassen sich jedoch kaum Studien finden. Es kann sein, dass bei manchen Personen die Stimmung am Sonntag tief ist und sie sozusagen einen Sonntagsblues wahrnehmen. Sowohl der Montagsblues als auch der Sonntagsblues scheinen individuell vorkommende Phänomene zu sein.

Was kann ich dagegen unternehmen?

Unsere Stimmung ist sehr wichtig für unsere psychische Gesundheit und unser Wohlbefinden. Sie beeinflusst somit auf längere Sicht auch unser Arbeitsverhalten und unsere Leistung. Da es Hinweise darauf gibt, dass unsere Stimmung zu Beginn der Woche etwas tiefer ist als gegen Ende der Woche, sollten wir dies nicht einfach unbeachtet lassen. Nachfolgend möchten wir dir einige Tipps mit auf den Weg geben:

  • Damit du den Schwung aus dem Wochenende mitnehmen kannst, lohnt es sich dem Wochenstart positiv entgegenzusehen. Nimm die Herausforderungen der neuen Woche mit Optimismus in Angriff. Versuche dich darauf zu freuen.
  • Schlaf ist enorm wichtig. Um am Sonntag schon einem vermeintlichen Montagstief entgegenzusteuern, kannst du darauf achten genügend zu schlafen. Geh also am Sonntagabend nicht zu spät ins Bett.
  • Bereite den Montag im Büro bereits schon vor dem Wochenende vor. Plane und notiere dir, was am Montag ansteht. So verhinderst du, dass dein Montag schon chaotisch beginnt und du kannst dich am Wochenende besser ausklinken, weil du nicht ständig an die Arbeit denken musst. Wie du dein Zeitmanagement verbessern kannst, kannst du hier nachlesen.
  • Plane und erledige am Montag Arbeiten, die du gerne machst. Vielleicht hilft es dir, zuerst Routineaufgaben zu erledigen und erst an den anderen Tagen anspruchsvollere Aufgaben in Angriff zu nehmen.
  • Wenn es dein Arbeitgeber erlaubt, starte am Montag etwas später.
  • Um am Montagmorgen schneller wach zu werden, kannst du es mit einer kalten Dusche oder Bewegung versuchen.
  • Plane für Montagabend etwas, worauf du dich freust: Ein schönes Abendessen mit Freunden, eine Fahrradtour mit Picknick im Freien oder ein ausgiebiger Spaziergang. Auf was würdest du dich nach einem Arbeitstag freuen?
  • Denke am Sonntag nicht an den Montag. Wenn dich der Gedanke daran stresst, versuch ihn bewusst zur Seite zu schieben und unternimm etwas, dass dir Freude macht.
  • Fällt es dir am Freitag allgemein schwer abzuschalten und ins Wochenende zu starten? Dann überlege dir ein Freitags-Ritual, welches du jede Woche ausführst, um zu signalisieren, dass die Arbeit nun bis Montag ohne schlechtes Gewissen warten kann. Dies kann ein entspannendes Bad sein, eine Runde mit dem Fahrrad oder zu Fuss, Musikhören usw. So lernt dein Gehirn, dass die bestimmte Tätigkeit das Wochenende einläutet und nun Entspannung und Erholung angesagt ist.

 

 

Referenzen
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Areni, C. S., Burger, M., & Zlatevska, N. (2011). Factors affecting the extent of Monday blues: Evidence from a meta-analysis. Psychological reports, 109(3), 723-733. https://doi.org/10.2466/13.20.PR0.109.6.723-733
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