Mobil-flexibles Arbeiten – positiver Trend oder zusätzliche Belastung?

Mobil-flexibles Arbeiten

Arbeiten von überall und zu jeder Zeit? Klingt in erster Linie ganz schön cool, oder? Doch wie realistisch sind solche Arbeitsformen überhaupt und welche Auswirkungen haben sie auf unsere Gesundheit? In diesem Beitrag klären wir, ob die Mobil-Flex-Arbeit, wie sie genannt wird, ein positiver Trend oder doch eher eine zusätzliche Belastung für uns darstellt.

Wer arbeitet in der Schweiz mobil und flexibel?

Mobil-flexibel zu arbeiten bedeutet, dass sowohl der Arbeitsort als auch die Arbeitszeit variieren können. Gearbeitet wird also nicht mehr nur vom Büro aus und zwischen 07:00 Uhr bis 19:00 Uhr, sondern zu Hause, unterwegs, bei Kunden, ausser Landes usw. und dies zu den unterschiedlichsten Tageszeiten und möglicherweise auch mal am Wochenende. Damit Mobil-Flex-Arbeit überhaupt möglich ist, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein. So werden in erster Linie vor allem entsprechende Informations- und Kommunikationstechnologien benötigt. Dies legt nahe, dass nicht jeder Beruf zeitlich und / oder räumlich flexibel ausgeführt werden kann.

In der Schweiz arbeiteten im Jahr 2016 38% räumlich flexibel und rund 36% zeitlich flexibel (z.B. Gleitzeit). Es ist anzunehmen, dass diese Zahlen durch die Pandemie noch höher geworden sind. Die Verbreitung von flexiblen Arbeitsmodellen verzeichnete jedoch schon zuvor einen positiven Trend, es ist also keine alleinige Folge der Pandemie.

Bedürfnis nach Flexibilität

Einerseits herrschen erhöhte Flexibilitätsanforderungen an Unternehmen, beispielsweise aufgrund von Kundenerwartungen, technischen Fortschritten oder auch globaler Konkurrenz. Somit sind gewisse Arbeitgeber sehr daran interessiert, ihre Mitarbeitenden so einzusetzen, dass das Unternehmen schnell und flexibel reagieren kann. Andererseits ist auch der Wunsch der Arbeitnehmenden nach mehr Flexibilität im Arbeitsalltag gewachsen. Gründe dafür sind die erlebte Autonomie, Zeitgewinn, ungestörtere Umgebung im Homeoffice, produktiveres und motivierteres Arbeiten und die bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben. Ob die Flexibilität von einem selbst oder vom Arbeitgeber bestimmt wird, hat einen grossen Einfluss auf die Wirkung von Mobil-Flex-Arbeit auf uns und unsere Gesundheit.

Auswirkungen auf die Gesundheit

Mobil-Flex-Arbeit kann sich sehr unterschiedlich auf uns auswirken. Sie ist nicht per se schlecht oder gut. So hat sich gezeigt, dass bei mobil-flexibler Arbeit ein höheres Risiko besteht, dass Personen länger arbeiten, ständig erreichbar sein wollen, weniger Pausen machen und die Erholungszeit kürzer wird, da man auch am Wochenende oder zu späten Stunden die Arbeit hervorholen kann. Dies wiederum führt zu mehr Stress und weniger Erholung, was sich negativ auf unseren Körper und Psyche auswirkt.
Positive Effekte sind zu erwarten, wenn die Person selbst (mit)bestimmen kann, ob und in welchem Ausmass sie mobil und flexibel arbeiten möchte. Dann geht die Arbeitsform tendenziell mit einer besseren Gesundheit, weniger Fehlzeiten, weniger Beschwerden und einer besseren Vereinbarkeit von Privatleben und Arbeit einher. Auch die Leistungsbereitschaft und -fähigkeit kann dadurch gesteigert werden.

Wie du siehst, hat diese Arbeitsform individuelle Folgen. Zum Schluss des Beitrags möchten wir dir noch aufzeigen, was du tun kannst, damit mobil-flexibles Arbeiten förderlich ist.

Wichtig zu beachten

  • Autonomie: Kannst du Arbeitsort und -zeit selbst bestimmen oder zumindest mitbestimmen? Falls nicht, sprich mit deinem Arbeitgeber, ob sich daran etwas ändern lässt. Bist du selbst die / der Vorgesetzte, dann versuche deine Mitarbeitenden miteinzubeziehen, so dass sie mitsprechen können.
  • Planung: Arbeitsort und -zeit sollten möglichst gut vorhersehbar sein. Dafür eignet sich eine gute Planung. Plane deine kommenden Arbeitswochen. Wann arbeitest du von wo?
  • Rahmenbedingungen und Regeln, die fürs ganze Team gelten, vereinfachen die Mobil-Flex-Arbeit und tragen zu positiven Auswirkungen bei. Hier einige Beispiele:
    • Eine positive Einstellung gegenüber mobil-flexiblem Arbeiten und die Unterstützung dessen seitens Organisation und Vorgesetzten sind sehr essenziell.
    • Geeignete Informations- und Kommunikationstechnologien müssen verfügbar sein und zur Verfügung gestellt werden.
    • Festlegung einer maximalen Arbeitszeit pro Tag.
    • Erreichbarkeit: Legt fest, wann man beispielsweise im Homeoffice erreichbar ist und wann nicht. Dies kann mittels Team-Charta vereinbart werden.
    • Planung von Pausen.
  • Bleib in Kontakt. Damit du dich nicht emotional isolierst, ist es wichtig, dass du den Kontakt zu deinen Kolleginnen und Kollegen aufrechterhältst. Trefft euch in virtuellen Kaffeepausen oder ruf einmal in der Woche jemanden an und frage nach ihrem/seinem Befinden. Schon die kleine Frage «Wie geht’s dir?» kann einiges bewirken.


Geteilte Regeln im Team und organisationale Rahmenbedingungen bedingen, ob sich mobil-flexibles Arbeiten positiv oder negativ auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Arbeitnehmenden auswirkt. Sie unterstützen die Mitarbeitenden zudem, die Arbeit vom Privaten abzugrenzen und von der Arbeit abzuschalten und sich optimal zu erholen. Besonders im Homeoffice werden Pausen zu oft vernachlässigt und es wird tendenziell länger gearbeitet. Es ist wichtig, dass Arbeitnehmende lernen, dass sie nicht rund um die Uhr erreichbar sein müssen und dass sie im Homeoffice nicht mehr arbeiten müssen als gewöhnlich, um zu beweisen, dass sie die Leistung auch von zu Hause erbringen können. Hierfür spielt die Einstellung und Unterstützung seitens Arbeitgeber ebenfalls eine zentrale Rolle. Eine Kombination aus Arbeiten im Büro und mobil-flexiblem Arbeiten hat sich als sehr positiv bewährt. Weitere Informationen und Empfehlungen sind hier nachzulesen.

 

 

 

 

 

 

Referenzen
Beermann, B., Amlinger-Chatterjee, M., Brenscheidt, F., Gerstenberg, S., Niehaus, M., & Wöhrmann A. M. (2018). Orts- und zeitflexibles Arbeiten: Gesundheitliche Chancen und Risiken (2. Auflage). Kettler GmbH.
Krause, A., Schulze, H., & Windlinger, L. (2018). Mobil-Flex-Arbeit und Gesundheit. In A. Blum-Rüegg (Hrsg.), Betriebliches Gesundheitsmanagement Grundlagen und Trends. Bericht 7 (S. 76-97). Gesundheitsförderung Schweiz.
Reimer, A. F., Mander, R., Hellert, U., & Krol, B. (2018). Gesundheitsorientierte Arbeitszeitgestaltung bei mobiler Arbeit. ARBEIT(s).WISSEN.SCHAF(f)T - Grundlage für Management & Kompetenzentwicklung. https://gfa2018.gesellschaft-fuer-arbeitswissenschaft.de/inhalt/A.9.9.pdf
Weichbrodt, J., Bruggmann, A., & Folie, A. (2020). FlexWork Survey 2020: Befragung von Erwerbstätigen und Unternehmen in der Schweiz zur Verbreitung mobil-flexibler Arbeit. Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW. https://irf.fhnw.ch/handle/11654/31702

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