Kann man Glück lernen?

Glück

Schon vor mehr als zweitausend Jahren beschäftigten sich Philosophen mit dem Thema Glück. So waren Sokrates, Aristoteles und Platon der Ansicht, dass eine tugendhafte Lebensweise zum Glück führe und das alles Handeln auf dieses Ziel ausgerichtet sein soll. Epikur hingegen war der Meinung, dass Glück das Erleben von Lust und die Abwesenheit von Schmerz ist. Noch eine ganz andere Auffassung vertrat der Chinese Lao Tse, welcher das Glück in der Untätigkeit sah. Erst wenn du aufhörst dem Glück oder anderen Zielen hinterherzulaufen, kannst du wirklich glücklich sein – so seine Meinung.

Alle wollen glücklich sein und versuchen dieses Ziel auf unterschiedlichen Wegen zu erreichen. Doch was ist Glück genau? Was macht uns Menschen glücklich? Und kann man lernen glücklich zu sein?

Was ist Glück?

Jeder Mensch definiert Glück anders. Was ist Glück für dich? Nimm dir kurz Zeit, darüber nachzudenken.

Für den Soziologen Ruut Veenhoven ist Glück das Ausmass, in dem ein Individuum die Gesamtqualität des Lebens als Ganzes positiv bewertet. In anderen Worten: Wie gut gefällt dir das Leben, das du führst? Im Duden wird Glück als eine angenehme und freudige Gemütsverfassung beschrieben, in der du dich befindest, wenn du in den Genuss oder Besitz von etwas kommst, das du dir gewünscht hast. Es ist ein Zustand einer inneren Hochstimmung und Befriedigung. In der Psychologie ist das Glücklichsein gekennzeichnet durch das Erleben von vielen positiven Emotionen und wenigen negativen Gefühlen. In der Wissenschaft wird zudem zwischen zwei Arten von Glück unterschieden, die sich gegenseitig beeinflussen können: das kurzfristige Glück und das Lebensglück. Unter dem kurzfristigen Glück werden emotionale Zustände verstanden, die während eines Tages sehr stark schwanken können. Zum Beispiel wenn du hungrig bist, fühlst du dich unglücklich aber nach dem Essen geht es dir wieder besser. Wenn du nun trotz vollem Bauch eine Absage deines Bewerbungsgesprächs erhältst, kannst du dich schlagartig wieder unglücklich fühlen. Das Lebensglück ist mit der Lebenszufriedenheit gleichzusetzen. Diese ist langfristig betrachtet ziemlich konstant.

Wie hängen glücklich sein und Gesundheit zusammen?

In der Forschung wird angenommen, dass ein gestörtes Glücksempfinden (unglücklich sein) nicht nur eine Folge von Erkrankungen ist, sondern auch das Krankheitsrisiko erhöhen kann. Ergebnisse von Beobachtungsstudien haben gezeigt, dass Glück im Allgemeinen mit einer geringeren Sterblichkeit assoziiert war. Allerdings darf man hier nicht gleich schlussfolgern, dass das Glück der einzige Grund für eine tiefere Sterblichkeit ist. Um den Zusammenhang zwischen Glück und Gesundheit zu erklären, werden unterschiedliche Mechanismen angenommen. Dazu zählen unter anderem Lebensstilfaktoren (körperliche Aktivität, Wahl der Ernährung) und biologische Prozesse (z. B. entzündliche Prozesse). Es werden allerdings weitere Forschungsarbeiten notwendig sein, um die genauen Prozesse zwischen Glück / Glücklichsein und der Gesundheit zu erforschen.

Wie entsteht Glück und was macht uns glücklich?

Wenn du subjektiv betrachtet etwas Positives erlebst oder etwas geschieht, das besser ist als erwartet, dann werden Neuronen in deinem Gehirn aktiv und es wird Dopamin ausgeschüttet. Eine erhöhte Dopamin-Konzentration kann positive Emotionen auslösen. Im Frontalhirn führt das Dopamin auch dazu, dass die Aufmerksamkeit gesteigert wird und wir uns auf diese Weise das glücklich machende Ereignis besser merken können. Das Glücksgefühl ist somit eigentlich auch ein Nebenprodukt unseres Lernvermögens.
Auch andere Botenstoffe sind am Glücksempfinden beteiligt. Zu den «Glückshormonen», wie sie auch genannt werden, gehören Serotonin, Oxytocin, Endorphin, Noradrenalin und Phenethylamin. Diese werden zum Teil vom Körper selbst produziert oder von uns durch die Nahrung aufgenommen. Gewisse Lebensmittel fördern zudem deren Produktion. Dies führt dazu, dass du dein Glücksempfinden auch ein bisschen über deine Ernährung beeinflussen kannst. Mehr dazu findest du in unserem Blogeintrag «Iss dich glücklich».
Das Glücklichsein wird zu 50% von unseren Genen bestimmt. Beispielsweise gibt es eine Genausprägung, die (wenn du sie besitzt) dazu führt, dass dein Körper mehr Serotonin enthält, was dazu führt, dass du im Allgemeinen eine positivere Einstellung hast, d.h. glücklicher bist. Nebst den Genen machen die Lebensumstände ungefähr 10 Prozent unseres Glücksempfindens aus. Die restlichen 40 Prozent hängen von uns selbst ab.


«Ein jeder hat seine eigne Art, glücklich zu sein, und niemand darf verlangen, dass man es in der seinigen sein soll.»
–  Heinrich von Kleist –


Was dich glücklich macht, kann sehr individuell sein und sich davon unterscheiden, was beispielsweise Personen aus deinem Umfeld glücklich macht. Es gibt allerdings von der UNO Glücks-Grundbedingungen – also Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit Menschen glücklich sein können. Darunter sind folgende Aspekte aufgelistet:

  • Eine sechsjährige Schulbildung
  • Genügend Nahrung: mindestens 2500 Kalorien pro Tag
  • Wasser: einen Wasserverbrauch von 100 Litern am Tag
  • Einen Platz zum Kochen
  • Mindestens sechs Quadratmeter Wohnraum

Wie du siehst, wird davon ausgegangen, dass zuerst die Grundbedürfnisse erfüllt sein müssen, um Glück empfinden zu können.

Die Glücksforschung hat zudem verschiedene Faktoren ermittelt, die uns glücklich machen:

  • Eine stabile Beziehung
  • Geselligkeit
  • Freundschaft
  • Gesundheit
  • Ein Beruf, der den eigenen Fähigkeiten entspricht
  • Kinder
  • Genügend Geld, um die Grundbedürfnisse zu erfüllen

Machen dich diese Dinge auch glücklich? Oder sind es ganz andere Sachen? Nimm dir erneut kurz Zeit und schreibe drei Dinge auf, die dich glücklich machen.

Nun möchten wir unseren Blick auf die ganze Welt richten. Wie glücklich sind die Menschen global?

Glück weltweit: Welches sind die glücklichsten Menschen?

Du weisst bestimmt, dass sich nicht alle Menschen auf dieser Welt gleich glücklich fühlen. In vielen Ländern ist es bereits eine Herausforderung, überhaupt die Grundbedürfnisse zu erfüllen. Eine kleine Ausnahme scheint im Himalaya das Königreich Bhutan zu sein. Obwohl die Bewohnerinnen und Bewohner zu den ärmsten gehören, sind sie glücklich. Ein Grund dafür ist die Einstellung des Königreichs gegenüber dem Glück seiner Bevölkerung. Dieses ist Bhutan nämlich sehr wichtig. In den 1970er Jahren wurde das Glück der Bevölkerung sogar als Staatsziel erklärt und ein Glücksministerium gegründet. Mehr Informationen zu Bhutan findest du hier.
Der World Happiness Report listet jedes Jahr über 100 Länder auf – rangiert nach der Glücklichkeit ihrer Bevölkerung. Im Jahr 2020 belegte Finnland den ersten Platz, gefolgt von Island, Dänemark, der Schweiz und den Niederlanden. Die Top-10 haben auch während der Covid-19 Pandemie keine grossen Änderungen erfahren. Genau gleichgeblieben wie in den Vorjahren, sind auch die sechs Faktoren, die das Wohlbefinden (das Glück) der befragten Personen fördern. Dies sind: Einkommen, Gesundheit, eine Person auf die man zählen kann, Vertrauen, Freiheit und Grosszügigkeit.

Kehren wir zur Hauptfrage dieses Blogeintrags zurück: Kann man Glück lernen?


«Die meisten Menschen sind so glücklich, wie sie es sich selbst vorgenommen haben.»
–  Abraham Lincoln  –


Abraham Lincoln war fest davon überzeugt, dass jede und jeder selbst für sein Glück verantwortlich ist. Wie du bereits weiter oben erfahren hast, wird unser Glücksempfinden von unseren Genen, Lebensumständen und uns selbst bestimmt. Unser Glücksempfinden hängt fast zur Hälfte von uns selbst ab. Du kannst also sehr wohl aktiv dazu beitragen, dein Glücksempfinden zu steigern!
Nun weisst du, dass du Glück lernen kannst. Falls du dich fragst, wie du das nun genau anstellen sollst, findest du einige Ideen, Tipps und praktische Übungen für den Alltag am Ende dieses Blogeintrags. Wichtig: Wenn du Glücksgefühle erleben möchtest, musst du aktiv Situationen schaffen, in denen sich diese Gefühle auch entfalten können. Wenn du nur auf der Couch sitzt, dich langweilst und demotiviert bist, schüttet dein Gehirn auch keine Botenstoffe aus, welche dir Glücksgefühle verschaffen. Das heisst allerdings nicht, dass du andauernd Sport machen und in Bewegung sein musst, denn Stress und Hektik können das Glücksempfinden auch mindern oder gar ganz eliminieren.

Tipps, Ideen und Übungen für den Alltag

  • Frage dich: Was tut mir gut? Was brauche ich, um mich wohl zu fühlen? Was macht mich glücklich?
  • Suche nicht nur nach dem einen grossen Glück, sondern suche das Glück auch in den kleinen Momenten (z.B. bei einer fünfminütigen Tee- / Kaffeepause).
  • Vergleiche dich nicht mit anderen. Was andere glücklich zu machen scheint, muss dich nicht unbedingt auch glücklich machen. Oder wenn du etwas nicht besitzt, was andere besitzen, bist du nicht automatisch unglücklicher!
  • Meditiere oder führe Achtsamkeitsübungen durch.
  • Yoga, Sport und Bewegung (z. B. ein schöner Spaziergang): Bei diesen Aktivitäten (inkl. Meditation) werden vermehrt Botenstoffe wie Serotonin und Endorphine ausgeschüttet.
  • Kochen und Essen: am besten zusammen mit geliebten Mitmenschen.
  • Lesen
  • Singen, Musikhören, Musizieren
  • Tanzen
  • Jemanden anrufen oder ihm schreiben
  • Jemandem ein Geschenk machen.
  • Sprich deine Gedanken aus, vor allem auch deine Sorgen und hol dir Unterstützung, wenn du welche brauchst.
  • Versuche Kleinigkeiten im Alltag bewusst wahrzunehmen und auszuführen.
  • Überlege dir jeden Morgen oder jeden Abend 3 bis 5 Dinge, für die du dankbar bist.
  • Erinnere dich vor dem Schlafengehen daran, was du tagsüber gut gemacht hast.
  • Sprich jeden Tag einer Person ein Kompliment aus.
  • Gehe jeden Tag ein bisschen an die frische Luft.
  • Schreibe positive Dinge (z. B. Erlebnisse, Gedanken) auf. Wenn du möchtest, teile sie mit anderen Mitmenschen.

Viele weitere Ideen und Übungen findest du auch auf unseren Glückskarten. Diese findest du auf unserer Webseite unter «Info-Material». Sie können kostenlos bestellt werden.

Zum Schluss

Vergiss nicht, dass jede Person ihre eigenen Strategien hat, um glücklich zu sein. Vielleicht hast du noch ganz andere Ideen, Tipps und Übungen?
Ebenfalls wirst du sehr wahrscheinlich nicht glücklicher, wenn du nur einmal einen der oben aufgeführten Tipps ausführst. Wenn du dir aber Zeit nimmst und langfristig übst, kannst du es schaffen dein Glücksempfinden zu steigern. Finde heraus, was DICH glücklich macht und schaffe möglichst viele Situationen und Erlebnisse, bei denen du dich glücklich fühlst. Du kannst deines Glückes Schmied sein!

 

 

Referenzen:
BR Wissen. (2021, März). Glücksforschung - Was uns wirklich glücklich macht. https://www.br.de/wissen/glueck-gluecksforschung-gluecklich-weltglueckstag-tag-des-gluecks-106.html
Dfarhud, D., Malmir, M., & Khanahmadi, M. (2014). Happiness & health: the biological factors-systematic review Article. Iranian journal of public health, 43(11), 1468.
Helliwell, J. F., Huang, H., Wang, S., & Norton, M. (2021). World happiness, trust and deaths under COVID-19. World Happiness Report 2021, S.13-57.
Miller, A. (2021, Mai). Macht das Leben wirklich Spass bis zum Lebensende? Tagblatt. https://www.tagblatt.ch/leben/glueck-im-alter-macht-das-leben-wirklich-spass-bis-zum-lebensende-ld.2136343
Spiegel Psychologie. (2016, Dezember). Anleitung zum Glücklichsein. https://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/glueck-kann-man-lernen-und-so-soll-das-funktionieren-a-1128030.html
Steptoe, A. (2019). Happiness and health. Annual review of public health, 40, 339-359.
Veenhoven, R. (1984). Conditions of happiness. D. Reidel Publishing Company.
Zimmerli, M. (2017, Dezember). Auf den Spuren des Glücks. Coop Zeitung.