Internationaler Tag der Freundschaft (30. Juli 2020)

Freundschaft

Kannst du dich noch an Freundschaftsbücher erinnern? Wenn ja, werden wahrscheinlich vor allem die ersten Schuljahre gegenwärtig sein, in denen du mit deinen Freunden und Freundinnen das Buch ausgetauscht und Fragen zu deiner Person beantwortet hast. Wenn das Freundschaftsbuch nach längerer Zeit irgendwo wiederauftaucht, kann es einige nostalgische Erinnerungen ins Gedächtnis rufen und gleichzeitig ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Was dieses Buch festhält, ist ein fundamentaler Baustein unserer Existenz und macht das Leben sowohl bunter als auch schöner: die Freundschaft.

Was ist Freundschaft?

Freundschaft ist eine Form der zwischenmenschlichen Beziehung, die sehr individuell gestaltet werden kann. So gibt es beispielsweise Freundschaften, in denen der Austausch täglich stattfindet und andere, bei denen man sich über Monate oder gar Jahre nicht sieht. Faktoren wie die gemeinsam verbrachte Zeit, die Regelmässigkeit des Kontakts oder die Anzahl Jahre seit der Bekanntschaft sind für die Definition von Freundschaft sekundär. Viel wichtiger ist, dass Freundschaft auf Gegenseitigkeit beruht und immer einen positiven Charakter hat. Für gute Freunde wird eine starke emotionale Nähe empfunden und es besteht ein tiefes gegenseitiges Verständnis. Während viele eine grosse Anzahl an Bekanntschaften und Kollegen haben, können enge Freunde oftmals an einer Hand abgezählt werden. Es sind diejenigen Personen, die uns in Schlüsselmomenten des Lebens unterstützen und denen wir unsere Zweifel und Bedenken anvertrauen.
 

«Ein Freund ist jemand, bei dem du es wagen kannst, du selbst zu sein.»
(Frank Crane)


Hab' Freunde und bleib gesund

Psychologen, Wissenschaftler und Experten sind sich einig: Freundschaften gehören zu den wichtigsten Beziehungen während unserer Lebenszeit. Sie bereichern nicht nur unseren Alltag, sondern wirken sich auch positiv auf unsere Gesundheit aus. Wer ohne Freunde und ohne soziale Verbundenheit lebt, hat eine vergleichbare Sterblichkeit mit Personen, die täglich 15 Zigaretten rauchen. Die Sterblichkeitsrate ist sogar höher als diejenige bei übermässigem Alkoholkonsum. Im Umkehrschluss leben Menschen die Freundschaften haben und pflegen länger.

Also je mehr Freunde umso besser?

Gute Freundschaften sind fraglos schön und bereichern. Doch wie viele Freunde eine Person braucht, ist sehr individuell. Die oben erwähnten Vorteile einer Freundschaft werden bereits bei einzelnen Freundschaftsbünden bemerkbar. Das Risiko an einer Depression zu erkranken, sinkt beispielsweise bereits durch einen guten Freund oder eine gute Freundin. Somit ist nicht ausschlaggebend, wie viele Freunde eine Person hat. Viel wichtiger ist es, überhaupt einen Freund oder eine Freundin zu haben.

Über den eigenen Horizont hinaus

In echten Freundschaften erleben wir nicht nur Glücksmomente, vielmehr fordern sie uns und helfen dabei, neue Seiten an uns selbst zu entdecken. So können während hitzigen Diskussionen neue Sichtweisen entstehen oder wir lernen den Mut aufzubringen, zu unserer Meinung zu stehen. Es sind solche Gespräche, die uns die eigene Persönlichkeit entdecken und beeinflussen lassen. Denn wer wären wir, wenn wir uns nicht mit jemanden austauschen würden? So beeinflussen neben der Familie auch Freunde unser Selbstbild. Sie unterstützen uns zudem auch bei Entscheidungen, die von der Familie nicht gut angesehen werden. Oder sie ermutigen uns dazu auf eine Reise zu gehen und Abenteuer zu erleben, was wir alleine niemals gewagt hätten.

Geht auch Freundschaft zwischen Frau und Mann?

Tatsächlich ist es so, dass die beiden Geschlechter unterschiedliche Erwartungen an Freundschaften haben. Während Frauen sich mehr nach emotionaler Nähe sehnen, ist es für Männer wichtiger, innerhalb der Freundschaft gemeinsam Aktivitäten zu unternehmen. Das Klischee hat also sein warum, obwohl diese Aussage natürlich für den Mittelwert und nicht für einzelne Individuen gilt.

Wann im Leben sind Freunde besonders wichtig?

Freundschaften sind während allen Lebensphasen wichtig. Es gibt aber trotzdem Zeitpunkte im Leben, während denen sie von besonderer Bedeutung sind. In der Jugend werden Freunde und Freundinnen oftmals zum wichtigsten Gesprächspartner und lösen die Eltern von dieser Rolle ab. Während der Schulzeit bilden sich Freundschaften, die bis ins Erwachsenenalter bestehen und den eigenen Charakter prägen. Auch während schwierigen Zeiten sind gute Freundschaften essenziell. Sei es aufgrund einer persönlichen Krise, während einer Krankheits- oder Trauerphase oder einem schweren Verlust. In solchen Situationen ist es wichtig, sich nicht alleine zu fühlen und Unterstützung zu erhalten.

Möchtest du mehr über das Thema Freundschaft wissen? Dann empfehlen wir dir den Beitrag von SRF Kultur «Die Gesetze der Freundschaft».
 

«Freundschaft, das ist wie Heimat.»
(Kurt Tucholsky)