Hilft Dankbarkeit im Umgang mit Stress?

Dankbarkeit gegen Stress

Kannst du dich erinnern, wann du das letzte Mal aufrichtig dankbar für etwas oder jemanden warst? Wann hast du das letzte Mal jemandem ein von Herzen kommendes «Danke» ausgesprochen? Wenn das schon länger her ist, wird es Zeit, der Dankbarkeit wieder etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

In der Advents- und Weihnachtszeit sind viele Menschen dankbar. Es ist eine Zeit des gemütlichen Beisammenseins, des Denkens an geliebte Menschen und des Beschenkens. Doch meist hält dieses Gefühl nicht lange an und für viele von uns ist diese Zeit auch mit viel Stress verbunden. Ein Familienessen nach dem anderen muss in wenigen Tagen reibungslos über die Bühne gebracht werden, alles muss perfekt sein – die Erwartungen sind hoch. Es bleibt kaum Zeit für sich selbst. Ruhige und entspannte Minuten sind selten. Und schon steht bereits wieder das neue Jahr vor der Tür. Zusätzlich bringt die anhaltende Covid-19-Pandemie auch nächstes Jahr enorme Unsicherheiten mit sich.

Was hat das nun alles mit Dankbarkeit zu tun? In diesem Blogeintrag erfährst du, ob Dankbarsein gegen Stress hilft und ob es möglich ist Dankbarkeit zu lernen und längerfristig zu empfinden.

Was ist Dankbarkeit?

Im Duden wird die Dankbarkeit als ein Gefühl oder Ausdruck des Dankes definiert. In der Forschung werden zwei Arten von Dankbarkeit unterschieden. Dankbarkeit als Eigenschaft und Dankbarkeit als Zustand. Personen, bei denen die Dankbarkeitseigenschaft hoch ausgeprägt ist, kennzeichnen sich durch eine Lebensorientierung, die darauf ausgerichtet ist, das Positive in der Welt wahrzunehmen und dafür dankbar zu sein. Diesen Personen fällt es sozusagen von Natur aus einfacher Dankbarkeit zu empfinden. Was wir im Alltag unter Dankbarkeit verstehen, ist die Dankbarkeit als Zustand. Dabei handelt es sich um eine positive Emotion, ein Gefühl der Dankbarkeit und Wertschätzung zu einem spezifischen Zeitpunkt (zum Beispiel als Reaktion für erhaltene Unterstützung). Diese Art von Dankbarkeit ist also veränderbar und kann jederzeit auftreten oder auch nicht. Wenn du das Gefühl von Dankbarkeit empfindest, werden im Körper die Botenstoffe Dopamin und Serotonin ausgeschüttet. Diese tragen dazu bei, dass sich das Dankbarsein gut anfühlt.

Hilft Dankbarkeit gegen Stress?

Kurz und knapp: Dankbarkeit hat das Potenzial, dein Stressempfinden zu reduzieren. Die Forschung konnte aufzeigen, dass Dankbarkeitsinterventionen nicht nur zu einer Stressreduktion führen, sondern sich auch positiv auf das Wohlbefinden und die Zufriedenheit auswirken können. Betrachtet man körperliche Parameter, so konnte gezeigt werden, dass der Blutdruck tiefer ist, wenn man mehr Dankbarkeit empfindet. Eine Studie mit Feuerwehrleuten kam sogar zum Schluss, dass Dankbarkeit ein unabhängiger Schutzfaktor gegen Stress und Burnout darstellt. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Dankbarkeit dabei hilft soziale Beziehungen und prosoziales Verhalten zu fördern oder auch deine Schlafqualität zu verbessern.

Merke: Dankbarkeit kann deine Gesundheit und dein Wohlbefinden positiv beeinflussen!

Kann ich lernen Dankbarkeit zu empfinden?
 

« Dankbar sein bedeutet, die Dinge die im Leben gut laufen wahrzunehmen und wertzuschätzen, statt am Negativen kleben zu bleiben.»
Unbekannt −


Die gute Nachricht lautet: Ja. Du kannst lernen dankbar zu sein. Wichtig dabei ist, den Fokus auf das zu richten, was du hast und nicht auf Dinge, die du nicht besitzt. Zudem gibt es keine Regeln wofür du dankbar sein darfst und wofür nicht. Bereits die kleinsten Dinge, egal ob materiell oder nicht, können das Gefühl der Dankbarkeit auslösen. Du kannst beispielsweise dankbar sein, dass heute die Sonne scheint oder weil dir eine wichtige Person eine SMS geschrieben hat.
Für was bist du heute dankbar? Nimm dir an dieser Stelle kurz Zeit, um darüber nachzudenken.

Tipps und praktische Übungen

Das Wörtchen «Danke» nehmen die meisten von uns täglich in den Mund. Es ist schon längst zu einer Floskel – einer Gewohnheit – geworden. Doch löst ein einfaches Danke auch Emotionen bei dir aus? Genau hier besteht eine gewisse Schwierigkeit. Um von der reinen Gewohnheit wieder wegzukommen und ein «Danke» auch fühlen zu können, ist es wichtig dieses «Danke» erst einmal wieder bewusst wahrzunehmen. Wann sage ich danke? Wem gilt es? Wie fühlt es sich an? Welche Sprache spricht mein Körper währenddessen? Lächle ich dabei?

Eine Übung, die sich bewährt hat, ist das Dankbarkeitstagebuch. Dabei notierst du dir auf ein Blatt, in ein Heft oder Buch täglich Dinge, für die du an diesem Tag dankbar bist oder warst. Am besten versuchst du das Eintragen ins Tagebuch gleich zum Ritual zu machen. Notiere dir täglich drei Dinge für die du dankbar bist. Damit lenkst du deine Aufmerksamkeit bewusst auf Positives. Ob du dies lieber morgens machst oder abends im Bett bevor du schlafen gehst, ist dir überlassen. Wenn du dir aber einen definierten Zeitpunkt einplanst, gelingt es dir besser Dankbarkeit zur Gewohnheit zu machen.
Das Dankbarkeitstagebuch und das Aufschreiben im Allgemeinen (Journaling) haben zudem einen weiteren positiven Effekt. Es konnte beispielsweise gezeigt werden, dass es die Schlafqualität verbessert oder der Problemlösung dient. Mehr Informationen zu Journaling findest du hier.

Es ist nie zu spät dankbar zu sein!

 

 

Referenzen:
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