Grüne Pausen: Die stresslindernde Wirkung der Natur

Grüne Pausen

Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen des Frühlings erwacht nicht nur die Natur aus ihrem Winterschlaf, sondern auch in uns das Verlangen, nach draussen zu treten. Die Vögel zwitschern lebhaft, die Luft fühlt sich frischer an, und es scheint, als würde die Welt um uns herum wieder zum Leben erwachen. Vielleicht spürst auch du  dieses Kribbeln, die Lust, den Alltag für einen Moment hinter Dir zu lassen und in die Natur einzutauchen. Hast du dich je gefragt, warum schon ein kurzer Aufenthalt im Grünen so belebend wirken kann? In diesem Blogpost tauchen wir tiefer in die erstaunliche Kraft der Natur ein und lernen mehr über deren Wirkung auf unser psychisches und physisches Wohlbefinden.

Die wohltuende Wirkung der Natur

Die Natur umgibt uns nicht nur mit ihrer Schönheit, sondern trägt auch erheblich zu unserem Wohlbefinden bei. Wenn wir uns in der Natur aufhalten, verbessert sich unser Selbstbewusstsein merklich. Wir fühlen uns besser, unsere Stimmung hellt sich auf, und ein allgemeines Gefühl des Wohlbefindens breitet sich in uns aus. Negative Emotionen wie Wut, Frust und Angst beginnen zu schwinden. Wir fühlen uns weniger gestresst und angespannt, während unser Energielevel steig und wir uns belebter fühlen.
Aber nicht nur psychisch, auch körperlich spüren wir die positiven Effekte. Unser Blutdruck sinkt, die Cortisollevels - also die Stresshormone in unserem Blut - gehen zurück, Kopfschmerzen lassen nach, und wir spüren eine Abnahme der Muskelanspannung. Darüber hinaus fördert der Aufenthalt im Freien unsere Verbundenheit mit der Natur, was sich wiederum positiv auf unsere Kreativität und persönliche Entwicklung auswirkt.
Ein Besuch im Wald kann zu einer bemerkenswerten körperlichen Erholung führen. Unser Immunsystem wird gestärkt, die Schlafqualität verbessert sich, und das autonome Nervensystem, das unsere unbewussten Körperfunktionen steuert, findet zu einem harmonischeren Gleichgewicht zurück. Bereits nach wenigen Minuten in der Natur kann sich subjektiv empfundene Müdigkeit und Erschöpfung verringern, während Puls, Blutdruck und Muskelspannung sinken. Die Natur hilft uns, Stress abzubauen, indem sie die Produktion von Stresshormonen wie Cortisol reduziert und gleichzeitig die Ausschüttung von Glückshormonen wie Serotonin und Dopamin fördert.

Warum wirkt die Natur so positiv auf uns?

Die positive Wirkung der Natur auf unser Wohlbefinden ist kein Zufall. Wissenschaftler/-innen haben verschiedene Theorien entwickelt, um zu erklären, warum das so ist. Eine dieser Theorien ist die Biophilie-Hypothese. Sie besagt, dass Menschen eine angeborene Neigung haben, Verbindungen zur Natur und anderen Lebewesen zu suchen und zu pflegen. Diese Theorie geht auf evolutionäre Überlegungen zurück: Früher waren unsere Vorfahren darauf angewiesen, in der Natur Nahrung zu finden, sich vor Raubtieren zu schützen und geeignete Lebensräume zu suchen. Die Natur bot Überlebensvorteile, und so entwickelten wir eine tiefe Verbundenheit mit ihr, die bis heute in uns verankert ist.

Ein weiteres Konzept ist die Theorie der Aufmerksamkeitserneuerung, auch Attention-Restoration-Theory genannt. Diese Theorie besagt, dass wir uns nur für eine begrenzte Zeit auf eine vor uns liegende Aufgabe konzentrieren können. Unsere Konzentration ist also eine begrenzte Ressource, die nach einer Weile erneuert werden muss. Dies kann durch Pausen in der Natur gelingen. Bestimmte Aspekte der Natur, wie die beeindruckende Vielfalt der Pflanzen und Tiere oder das beruhigende Rauschen eines Baches, ziehen unsere Aufmerksamkeit ganz automatisch auf sich. In diesen Situationen, in denen unsere Aufmerksamkeit so mühelos gefesselt wird, kann sich unsere Konzentrationsfähigkeit ganz nebenbei erholen.

Erholsame Umwelten bieten uns Distanz zum Alltag, ermöglichen positive Erfahrungen, erleichtern soziale Kontakte und stimulieren unsere persönliche Entwicklung. Sie regen uns zu körperlicher Bewegung an und bieten eine willkommene Abwechslung von der städtischen Umgebung, die oft überstimulierend und stressig sein kann.

Was beeinflusst die positive Wirkung?

Die Dauer des Aufenthalts in der Natur spielt eine wichtige Rolle. Schon kurze Aufenthalte von 5-20 Minuten können positive Effekte hervorrufen. Diese Effekte verstärken sich mit zunehmender Dauer, wenn auch nicht unbedingt proportional. Bewegung in der Natur, ob in Form eines Spaziergangs, einer Wanderung oder einer Joggingrunde, kann die positiven Effekte noch verstärken. Der soziale Kontext ist ebenfalls von Bedeutung: Allein in der Natur zu sein, sofern man sich sicher fühlt, kann besonders erholsam sein. Doch auch die Anwesenheit einiger weniger anderer Menschen kann als angenehm empfunden werden, solange diese mit ihrem Verhalten nicht von den positiven Aspekten der Natur ablenken.

Es gibt jedoch auch beeinträchtigende Faktoren. Ein dunkler, dichter Wald kann bei einigen Menschen ein Gefühl der Unsicherheit oder sogar Angst hervorrufen. Negative Erfahrungen in der Natur, wie beispielsweise ein unangenehmes Tiererlebnis oder gar ein tätlicher Angriff, können ebenfalls die positiven Effekte mindern. Darüber hinaus wird der erholsame Effekt der Natur eingeschränkt, wenn das Gefühl von Sicherheit durch Lärm, Verschmutzung oder andere störende Faktoren beeinträchtigt wird.

Praktische Tipps für Naturpausen

Klingt doch gut, so eine erholsame Pause im Wald, nicht? Doch was kannst Du tun, wenn Du tagsüber in einem grauen Bürogebäude ohne Zugang zu Grünflächen feststeckst?
Glück gehabt! Forschende konnten belegen, dass man nicht zwingend tief in den Wald eintauchen oder eine lange Wanderung unternehmen muss, um die Vorteile der Natur zu geniessen. Auch das achtsame Betrachten einer Zimmerpflanze kann bereits Wunder wirken! Wenn Dir das Geräusch eines plätschernden Baches oder sanftes Vogelgezwitscher zusagt, kann ein YouTube-Video mit diesen Klängen den stressreduzierenden Effekt der Zimmerpflanze noch verstärken. Wichtig dabei ist jedoch, dass Du Dir bewusst Zeit nimmst und diese Momente nicht nebenbei erlebst.

Fazit

Die Natur besitzt eine kraftvolle, regenerative Wirkung auf unser Wohlbefinden. Indem wir bewusst Pausen im Grünen einlegen, können wir nicht nur unsere psychische und physische Gesundheit verbessern, sondern auch unseren Alltag bereichern. Nimm dir die Zeit, die wohltuende Wirkung der Natur zu erleben. Egal, ob du einen kurzen Spaziergang machst, einen Moment der Ruhe in einem nahegelegenen Park geniesst oder auch nur eine Zimmerpflanze aufmerksam betrachtest – jede grüne Pause zählt. Nutze diese Momente, um einmal tief durchzuatmen, Stress abzubauen und deine Energie wiederzufinden. 
 
Referenzen
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