Gleichgewicht: Wieso Balance im Leben wichtig ist

Gleichgewicht

Sitzt du gerade auf einem Stuhl oder etwas Ähnlichem? Kannst du aufstehen? Erhebe dich, falls möglich und versuche auf einem Bein zu stehen. Kein Problem? Dann schliesse zusätzlich deine Augen und wenn dies immer noch zu einfach ist, bewege das angehobene Bein nach hinten und vorne oder auf die Seite. Was meinst du, wie steht es mit deinem Gleichgewicht? Ein gutes Gleichgewicht zu haben, ist nicht nur für deinen Körper von Vorteil. Auch für dein psychisches Wohlbefinden lohnt es sich, in einer Balance zu sein. Welche Einflüsse das Gleichgewicht auf unsere Gesundheit hat und wie du es verbessern kannst, erfährst du in diesem Beitrag.

Physisches Gleichgewicht

Hören wir den Begriff «Gleichgewicht», denken wir meist an das körperliche Gleichgewicht. Unser moderner Lebensstil führt dazu, dass wir sehr viel sitzen. Wir bewegen uns im Alltag immer weniger und diese Bewegungsarmut führt dazu, dass unser Gleichgewicht schlechter wird. Unsere Muskeln, die wir brauchen, um unseren Körper in Balance zu halten, werden schwächer und wir verlieren nach und nach diese Fähigkeit.
Ist denn Gleichgewicht überhaupt wichtig? Ja – und dies nicht nur, wenn wir älter werden. Es stimmt, dass das Risiko unser Gleichgewicht zu verlieren mit zunehmendem Alter steigt. Stürze stellen nach den Verkehrsunfällen sogar die zweithäufigste Ursache für tödliche Unfälle dar. Und zwar weltweit. Doch auch im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter – kurz gesagt im gesamten Leben – spielt das Gleichgewicht eine wichtige Rolle. Ein gutes Gleichgewicht unterstützt uns bei der Ausführung unterschiedlicher Bewegungen. Dabei wird unsere Tiefenmuskulatur im Rumpf und Rückenbereich gefördert, was dazu führt, dass unsere Muskeln effizient reagieren können. Dies schützt uns beispielsweise vor Zerrungen oder davor, dass wir beim Stolpern nicht hinfallen. Nebst dem offensichtlichen Vorteil profitieren auch unsere Motorik und die koordinativen Fähigkeiten von einem guten Gleichgewichtssinn. Bewegungen mit hoher Präzision werden verbessert und unsere Reaktionszeiten auf äussere Reize können verkürzt werden. Ein weiterer Grund, der für das Gleichgewicht spricht, ist die positive Wirkung auf unsere Konzentrations- und Lernfähigkeit. Studien deuten darauf hin, dass Kinder mit einem guten Gleichgewicht in der Schule besser abschneiden. Das Gute daran: Durch gezieltes Training können die Kinder ihre Leistungen im Lesen, Rechnen und Schreiben sogar verbessern. Dieser Effekt zeigt sich besonders bei Kindern, die schlechtere kognitive Voraussetzungen haben. Zu guter Letzt gibt es Hinweise darauf, dass das Gleichgewicht mit unserer Psyche in Verbindung steht. Dieser Bereich ist aber sehr wenig erforscht und es kann nur von einem Hinweis gesprochen werden.

Unser Körper braucht Energie, um die geforderten Leistungen erbringen zu können. Eine Möglichkeit Energie zu tanken, geschieht über unsere Ernährung. Hier wird ebenfalls von einer Art Balance, einem Gleichgewicht zwischen Energieaufnahme und -verbrauch gesprochen. Dein Hungergefühl gibt dir Hinweise, ob deinem Körper allmählich die Energie ausgeht und ob er auf Nachschub angewiesen ist. Dabei kannst du dein Hungergefühl mit ganz unterschiedlichen Nahrungsmitteln befriedigen. Nicht jede Mahlzeit und jedes Nahrungsmittel erfüllt diesen Job gleich gut. Eine ausgewogene Ernährung – auch hier können wir von einer Art Balance sprechen – trägt auf jeden Fall dazu bei, deinem Körper genügend und gute Energie zu liefern. Hast du des Öfteren tagsüber immer wieder einmal Hunger? Und möchtest du deinem Körper einen optimalen Schub liefern? Dann kannst du hier einige Tipps und Ideen für Zwischenmahlzeit nachlesen.

Übungen für ein besseres Gleichgewicht

Nachfolgend haben wir dir Übungen zusammengestellt, die dein physisches Gleichgewicht fördern. Du kannst diese Übungen überall ausführen und gut in deinen Alltag einbauen. Du kannst sie täglich ausführen; zwei bis dreimal in der Woche wird empfohlen.

  1. Ein-Bein-Stand
    Stelle dich an einen Ort hin, an welchem du etwas Platz um dich herum hast. Hebe dann ein Bein an und versuche so ruhig wie möglich stehen zu bleiben. Stellt das kein Problem für dich dar, dann kannst du deine Augen schliessen. Ist die Übung immer noch zu einfach, kannst du zusätzlich deinen Kopf in den Nacken legen oder dein erhobenes Bein bewegen. Von vorne nach hinten und zurück oder seitlich vom Körper weg und wieder heran.
     
  2. Ausfallschritte
    Führe abwechslungsweise mit beiden Beinen Ausfallschritte gegen vorne aus. Dabei trainierst du das seitliche Gleichgewicht und die Kraft für die Kontrolle deines Körperschwerpunktes. Versuche deine Beine dabei möglichst in einer Linie zu halten. So wird dein Gleichgewicht am meisten gefordert.
     
  3. Tandem-Gang
    Beim Tandem-Gang setzt du den hinteren Fuss beim Gehen direkt vor den vorderen Fuss. Die Zehen berühren dabei die Ferse des vorderen Fusses. Damit du die Übung noch schwieriger gestalten kannst, kannst du auch hier deine Augen schliessen. Das zusätzliche Bewegen des Kopfes führt nochmals zu einer Steigerung der Schwierigkeit.

Die Übungen können nochmals schwieriger gestaltet werden, indem du den Untergrund veränderst. Führe die Übungen beispielsweise auf einer weichen Matte oder einem Kissen durch. Passe die Schwierigkeit deinem Empfinden an und erhöhe sie Schritt für Schritt. Starte nicht sofort bei der höchsten Schwierigkeitsstufe.

Inneres Gleichgewicht

Wir wissen nun wie wichtig körperliches Gleichgewicht sein kann. Doch wie sieht es mit unserem psychischen Gleichgewicht aus? Verspürst du eine Balance in deinem Leben? Oder überwiegt der Stress im Vergleich zur Erholung in deinem Alltag?

Nicht immer gelingt es uns, genügend Zeit für Erholung und Entspannung einzuplanen. Wobei diese Erholungszeit durchaus auch aktiv durch Sport und andere Hobbys gestaltet werden kann. Wir widmen uns unseren Verpflichtungen, unseren Aufgaben und unseren Interessen. Manchmal geschieht es, dass wir aus der Balance geraten, obwohl wir wissen, dass ein Ausgleich zum Alltagsstress sehr wichtig ist und dass Stress negative Auswirkungen auf uns hat.

Was kann ich für meine innere Balance tun?

  • Pause machen, Auszeit nehmen: Nimm dir immer wieder einmal Zeit, um bewusst eine Pause einzulegen. Plane diese am besten in deinen Tag ein. Dabei ist es nicht wichtig, dass die Auszeit möglichst lange dauert. Eine gute Pause kann mehrmals pro Tag für ein paar wenige Minuten eingesetzt werden. Trink bewusst eine Tasse Tee, höre dein Lieblingslied, unternimm einen kurzen Spaziergang. Bei der Pausengestaltung kannst du ganz kreativ sein.
  • Sport & Bewegung: Auch wenn du viel um die Ohren hast und dich das Gefühl plagt ständig umherzuspringen, kann dir ausreichend Bewegung gegen Stress helfen. Es stärkt dein Selbstbewusstsein, gibt dir ein gutes Gefühl und fördert einen guten Schlaf. Bewegungsbasierte Achtsamkeitsverfahren wie Tai-Chi, Qigong oder Yoga eignen sich besonders gut.
  • Schlafen: Erholsamer Schlaf ist für deine Leistungsfähigkeit und deine Erholung essentiell. Du wirst nicht effizienter und leistungsfähiger sein, wenn du versuchst weniger zu schlafen, damit du mehr Wach-Zeit hast. Achte darauf, genügend zu schlafen und manchmal kann auch ein Powernap Wunder bewirken.
  • Ernährung: Eine gesunde Ernährung trägt viel zu deinem Wohlbefinden bei. Gerade in stressigen Situationen ist es besonders herausfordernd, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten. Es kann helfen, wenn du dir für die kommenden Tage einen Menüplan erstellst oder bewusst gesunde Zwischenmahlzeiten besorgst. Zu einer ausgewogenen Ernährung gehört auch genügend Wasser zu trinken.
  • Atemübungen
  • Soziale Kontakte: Sich mit anderen auszutauschen, kann dich bei der Stressbewältigung unterstützen. Da wir alle soziale Wesen sind, haben soziale Kontakte eine Menge positiver Effekte auf unsere Gesundheit. Wann hast du das letzte Mal eine gute Freundin / einen guten Freund besucht oder mit ihr / ihm telefoniert?

Was ist dein persönliches Rezept für eine innere Balance?

Life-Balance / Life-Domain-Balance

Dem Begriff «Work-Life Balance» bist du bestimmt schon öfters begegnet. Da die Begrifflichkeit irreführend sein kann – im Leben geht’s ja überhaupt nicht nur um die Balance zwischen der Erwerbstätigkeit und dem Privatleben – wird schon seit längerem von «Life-Balance» gesprochen. Ein weiterer Begriff, der in der Forschung immer wieder auftaucht, ist die «Life-Domain-Balance». Er drückt aus, dass es im Leben darum geht, viele verschiedene Lebensbereiche gleichzeitig zu balancieren – im Gleichgewicht zu halten.
Eine gute Life-Balance führt nicht nur im Privaten zu mehr Wohlbefinden und einer besseren Gesundheit (z.B. höhere Lebenszufriedenheit, weniger Angst- und Depressionssymptome), sondern auch im beruflichen Kontext. Studien haben unter anderem Zusammenhänge zwischen der Life-Balance und der Jobzufriedenheit, der Kündigungsabsicht, dem Arbeitsengagement und der Arbeitsleistung gefunden. Es liegt nicht nur in der Verantwortung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sich zu erholen, neue Energie zu tanken oder förderliche Strategien (z.B. gutes Zeitmanagement) zu entwickeln, sondern auch die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber können zu einer guten Life-Balance beitragen. Zum Beispiel haben flexible Arbeitszeiten oder eine örtliche Flexibilität (z.B. Büro & Homeoffice, Job Sharing) einen positiven Effekt auf die Arbeit und das Privatleben. Zudem ist es förderlich, wenn die Führungsperson die privaten Anforderungen der Mitarbeitenden unterstützt.

Im Gleichgewicht zu sein, heisst nicht, dass du für jeden deiner Lebensbereiche die gleiche Zeit und das gleiche Engagement aufbringen und in jedem Bereich gleich zufrieden sein musst. Die verschiedenen Bereiche sind unterschiedlich wichtig für dich und du wirst deine Ressourcen dementsprechend einteilen. Das Gefühl einer Balance ist sehr individuell und unterscheidet sich somit von Person zu Person.

Wir hoffen, wir haben dir einige spannende Fakten und inspirierende Ideen zu deinem Gleichgewicht aufzeigen können und wünschen dir nun eine gute Balance!

 

«Das Leben ist wie ein Fahrrad. Man muss sich vorwärts bewegen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren.»

- Albert Einstein -

 

 

Referenzen
Brough, P., Timms, C., Chan, X. W., Hawkes, A., & Rasmussen, L.
(2020). Work–life balance: Definitions, causes, and consequences. In T. Theorell, (Hrsg.), Handbook of Socioeconomic Determinants of Occupational Health - From Macro-level to Micro-Level Evidence (S. 473-487). Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-030-05031-3_20-1
Buhl, G. (2021, 14. Dezember). Vier gute Gründe, unser Gleichgewicht zu trainieren. Schweizer Radio und Fernsehen. https://www.srf.ch/wissen/gesundheit/achtung-sitzfleisch-vier-gute-gruende-unser-gleichgewicht-zu-trainieren
Einstein. (2021, 09. Dezember). Bessere Balance – Besseres Leben. Schweizer Radio und Fernsehen. https://www.srf.ch/play/tv/einstein/video/bessere-balance---besseres-leben?urn=urn:srf:video:2e49a1fc-451d-47d3-9e98-b3ecc91531fb
Haar, J. M., Russo, M., Suñe, A., & Ollier-Malaterre, A. (2014). Outcomes of work–life balance on job satisfaction, life satisfaction and mental health: A study across seven cultures. Journal of vocational behavior, 85(3), 361-373. https://doi.org/10.1016/j.jvb.2014.08.010
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Reinle, D. (2020, 24. November). Gleichgewicht trainieren: 5 einfache Übungen für zu Hause. CSS. https://www.css.ch/de/privatkunden/meine-gesundheit/bewegung/uebungen/gleichgewicht-uebungen.html
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