Frühling: Wieso der Frühling nicht nur positive Emotionen mit sich bringt

Frühlingsgefühle

Die Vögel zwitschern, die Blumen und Bäume blühen in den prächtigsten Farben, es duftet herrlich und die ersten Insekten summen friedlich in der Luft. Die Natur erwacht regelrecht zu neuem Leben. Es ist Frühling. Auch wir Menschen erwachen langsam aus unserem Winterschlaf und halten uns wieder vermehrt draussen im Freien auf. Spürst auch du die neue Energie, welche die Jahreszeit mit sich bringt? Sprühst du vor neuen Ideen, Tatendrang und möchtest ganz viel unternehmen?
Viele von uns verbinden den Frühling mit positiven Gefühlen. Einige verlieben sich in dieser Zeit und sprechen von Schmetterlingen im Bauch. Alles scheint besser zu sein. Doch was steckt hinter diesen Frühlingsgefühlen und was ist, wenn diese Gefühle nicht eintreten und man sich schlapp und niedergeschlagen fühlt? In diesem Blogeintrag gehen wir der Sache auf den Grund.

Wie entstehen diese positiven Frühlingsgefühle?

Nach dem Winter, der hinsichtlich Farben und Düfte meist eher eintönig ist, folgt durch den Frühling eine grosse Flut an neuen stimulierenden Reizen. Unser Gehirn verknüpft mit einigen Reizen auch bestimmte Gefühle. So kann es sein, dass der Duft von Frühling (z.B. frisches Gras oder Blumen) ein positives Gefühl in uns auslöst. Unsere Laune hebt sich und dies wirkt sich positiv auf unsere Psyche aus. Was noch grösseren Einfluss auf unser Befinden hat, ist das Licht. Werden die Tage länger, sinkt die Konzentration des Schlafhormons Melatonin. Das führt dazu, dass wir wach werden. Gleichzeitig steigen auch das Dopamin und Serotonin. Durch diese beiden Hormone fühlen wir uns vitaler und glücklicher.

Im Frühling muss es doch allen gut gehen?

Trotz den vorherrschenden, positiven Gefühlen im Frühling, gibt es noch viele andere Emotionen. Verstimmtheit, Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit – um nur ein paar wenige zu nennen. Es steht fest: Nicht für alle bedeutet der Frühling nur Positives. Leider wird genau in diesen Momenten, in dem sich alles toll und gut anfühlt, vergessen, dass es auch einige Mitmenschen gibt, die nicht nur positive Gefühle erleben. Tatsächlich zeigen Studien sogar, dass die Symptome von depressiven Personen im Frühling noch ausgeprägter sein können. Wieso das? Eigentlich ist doch der Winter meist kalt, nass, trostlos und drückt auf unsere Stimmung und auf unser Wohlbefinden? Das stimmt. Doch während des Winters können sich betroffene Personen einfacher zurückziehen und zu Hause bleiben, da sich viele Mitmenschen ebenfalls öfters drinnen aufhalten. Es wird unter anderem angenommen, dass depressive Personen im Frühling noch stärker mit ihrer Erkrankung und dem Eindruck, lauter fröhliche und glückliche Menschen um sich zu haben, konfrontiert werden. Sie fühlen sich traurig, unglücklich und niedergeschlagen, während rundum das Leben neu aufblüht. Zudem steigen im Frühling auch die Anforderungen des Umfelds, wieder vermehrt am öffentlichen Leben teilzunehmen. Zum Beispiel fordern Freunde und Familie Betroffene häufiger auf, wieder mit nach draussen zu kommen und Dinge zu unternehmen. Wenn man selbst nicht betroffen ist, fällt es einem oft schwer dies zu verstehen. Sätze wie «Geh raus, das tut dir gut.» oder «Überwinde dich doch einfach.» gilt es zu vermeiden. Falls du einen betroffenen Mitmenschen kennst, zeige Verständnis und versuche dieser Person immer wieder Angebote und Vorschläge für Verabredungen/Unternehmungen zu machen ohne sie dazu zu drängen. Und nimm es nicht persönlich, wenn du immer wieder Absagen erhältst.
Wichtig: Wenn du dich im Frühling müde und energielos fühlst, heisst das nicht automatisch, dass du an einer Depression leidest. Es könnte sich dabei auch um die sogenannte Frühlingsmüdigkeit handeln.

Frühlingsmüdigkeit oder Frühlingsdepression?

Wer an der Frühlingsmüdigkeit leidet, kann Beschwerden wie Müdigkeit, Gereiztheit, Schwindel, Antriebslosigkeit, verringerte Leistungsfähigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Wetterfühligkeit sowie einen niedrigen Blutdruck aufweisen. Diese Beschwerden lassen sich nicht immer eindeutig von einer Depression unterscheiden. Allerdings verschwindet die Frühlingsmüdigkeit spätestens nach zwei Wochen wieder von alleine. Schätzungen zufolge muss jeder zweite Erwachsene eine solche saisonale Müdigkeit überwinden, bevor sie oder er wieder auf Touren kommt.
Wie kommt es zu dieser Frühlingsmüdigkeit? Sie kann verschiedene Ursachen haben. Zum einen muss sich unser Körper auf neue Wetter- und Lichtverhältnisse einstellen. Es wird wärmer und die Tage werden länger, wir sind wieder mehr Tageslicht ausgesetzt. Die Umstellung und Gewöhnung an die neuen Verhältnisse erfordert einige Zeit und geschieht nicht von heute auf morgen. Dabei ist vom Hormon Melatonin, welches uns müde macht, noch viel im Körper vorhanden. Eine weitere Erklärung wird darin gesehen, dass unser Körper und unsere Psyche genügend Vitamin D brauchen, welches mit Hilfe von Sonnenlicht gebildet wird. Der Vitamin-D-Speicher ist im Frühjahr meist erschöpft und muss sich zuerst wieder auffüllen. Erfreulich ist, dass du mit einfachen Tipps deiner Frühlingsmüdigkeit entgegenwirken kannst.

Tipps gegen die Frühlingsmüdigkeit

  • Bewegung in der Natur: Geh möglichst oft nach draussen, setz dich aufs Velo oder geniesse die Sonnenstrahlen bei einem Spaziergang. Wenn du dich sehr müde fühlst, kann es dich einiges an Überwindung kosten, doch es lohnt sich. Denn dabei wird in deinem Körper die Produktion von Serotonin angeregt, welches uns wach und fröhlicher macht. Zudem werden dein Kreislauf und Stoffwechsel angeregt, was sich auch positiv auswirkt.
  • Schlaf: Auch wenn du sehr müde und erschöpft bist, solltest du nicht länger schlafen als üblich. Wenn du länger schläfst, führt dies zu einer gesteigerten Melatonin-Produktion, was deine Symptome (deine Müdigkeit) verstärken kann. Beim Schlaf ist ein gutes Mass immer sinnvoll – also weder zu viel noch zu wenig.
  • Trinken: Ein Wassermangel kann ebenfalls dazu führen, dass deine Müdigkeit verstärkt wird. Achte deshalb darauf, dass du über den Tag verteilt genügend Wasser oder ungesüsste Getränke konsumierst.

Wo finde ich Hilfe?

Wenn du merkst, dass deine Symptome nicht verschwinden oder sogar noch stärker werden und du dich möglicherweise auch verzweifelt fühlst, ist es wichtig, dass du dir professionelle Unterstützung holst. Auf unserer Seite Rat und Hilfe findest du verschiedene Angebote und Anlaufstellen, die dir in jeder Lebenslage Unterstützung anbieten.

 

Referenzen:
Cho, C. H., & Lee, H. J. (2018). Why do mania and suicide occur most often in the spring? Psychiatry investigation, 15(3), 232. https://doi.org/10.30773/pi.2017.12.20
Oberberg Kliniken. (o.D.). Frühjahrsdepression: warum der Frühling manche Menschen krank macht und was dagegen hilft. https://www.oberbergkliniken.de/artikel/fruehjahrsdepression
Raether, T. (2019, 25. April). Frühling ist die grausamste Jahreszeit. Süddeutsche Zeitung Magazin. https://sz-magazin.sueddeutsche.de/gesundheit/depression-fruehling-gesundheit-87201
Schöne, L. (2018, 26. August). Die dunkelsten Tage. Tagblatt. https://www.tagblatt.ch/leben/suizid-gibt-es-heikle-termine-ld.1047300
Specker, M. (2022, 21. März). Was hilft gegen Frühlings­müdigkeit? CSS Versicherung. https://www.css.ch/de/privatkunden/meine-gesundheit/koerper/wunderwerk-koerper/fruehlingsmuedigkeit.html
Wimmer, J. (2021, 15. September). Frühlingsgefühle: Das passiert im Körper, wenn wir verliebt sind. TK Magazin. https://www.tk.de/techniker/magazin/lifestyle/liebe-sex-partnerschaft/fruehlingsgefuehle-2030318?tkcm=ab

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