Elternglück – Psychische Gesundheit von Paaren nach der Geburt eines Kindes

Selbstfürsorge als Eltern

Die Geburt eines Kindes markiert den Beginn einer unvergleichlichen Reise voller Freude, Liebe und neuer Erfahrungen. Doch neben den Glücksmomenten bringt die Elternschaft auch eine Vielzahl von Herausforderungen mit sich, die das Wohlbefinden und die Gesundheit der frischgebackenen Eltern beeinflussen können.

In diesem Beitrag tauchen wir in die Themen Wohlbefinden und Gesundheit der Eltern nach der Geburt ein, werfen einen Blick auf bewährte Strategien zur Selbstfürsorge und geben dir Tipps und Angebote im Kanton Zug mit auf den Weg, die auf dieser Abenteuerreise eine Unterstützung sein können.


«Das Leben der Eltern ist das Buch, in dem die Kinder lesen.»
– Augustinus –


Ein Kind als Glücksgarant?

Bevor wir tiefer in das Thema eintauchen, möchten wir der Frage nachgehen, ob Eltern nach der Geburt eines Kindes langfristig glücklicher und zufriedener mit ihrem Leben sind als davor. Denn für viele gilt ein Baby als Glücksgarant – Mythos oder Realität?
Ergebnisse einer neu veröffentlichten Studie, die Daten von über 5'500 Eltern aus dem Sozio-ökonomischen Panel (SOEP) – einer repräsentativen Langzeitstudie aus Deutschland – untersuchte, zeigen, wie sich die Lebenszufriedenheit sowie Gefühle von Angst, Traurigkeit, Ärger und Glück in den fünf Jahren vor und fünf Jahren nach der Geburt des ersten Kindes verändern. Der zeitliche Verlauf zeigt, dass Personen in den Jahren vor der Geburt ihres ersten Kindes deutlich zufriedener und glücklicher werden. Den Höhepunkt erreichen die Glücksgefühle im Jahr nach der Geburt. Danach verpuffen sie wieder und erreichen fünf Jahre nach der Geburt wieder dasselbe Level wie fünf Jahre vor der Geburt. In Bezug auf Gefühle wie Ärger und Traurigkeit zeigt sich, dass diese im Jahr, in dem das Kind geboren wurde, wenig erlebt wurden. Danach stieg die Tendenz, sich zu ärgern kontinuierlich an und war bis zum fünften Geburtstag des Kindes stärker ausgeprägt als fünf Jahre vor der Geburt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein Baby kein Glücksgarant ist. Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass das Leben mit einem Kind mit vielen positiven Gefühlen einhergeht, aber auch Stress bedeutet, wobei sich letzteres langfristig im Wohlbefinden der Eltern niederschlägt. Wichtig ist daher, Belastungen im Familienalltag bestmöglich abzufedern, damit das Lebensglück frischgebackener Eltern nachhaltig hoch bleibt.

Herausforderungen der Elternschaft

Die elterliche Verantwortung bringt eine Fülle von Veränderungen mit sich, sowohl auf psychologischer als auch auf physischer Ebene. Studien zeigen, dass der Schlafmangel, die Anpassung an neue Routinen und die Bewältigung von Stressfaktoren zu den häufigsten Herausforderungen gehören, mit denen Eltern konfrontiert werden. Dies kann sich auf die psychische Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden auswirken. Daher ist es essentiell, dass man sich als Elternteil in all den neuen Aufgaben und Verantwortungen nicht selbst vergisst und sich selber Sorge trägt. Nur wie ist das möglich, zwischen Babygeschrei, vollen Windeln, schlaflosen Nächten und alltäglichen Pflichten und Aufgaben?

Selbstfürsorge als Eltern

Im Alltag mit einem Säugling geht die Selbstfürsorge als Eltern schnell verloren. Nicht verwunderlich, denn der kleine Mensch fordert enorm viel Aufmerksamkeit von Mutter und Vater und zwar 24 Stunden, 7 Tage die Woche. Dies ist anspruchsvoller als jeder Vollzeitjob und fordert von den frischgebackenen Eltern enorm viel Anpassungsleistung. Es ist natürlich, dass Mutter und Vater in dieser Zeit ihrem Sprössling zuliebe ihre eigenen Bedürfnisse hintenanstellen und all ihre Zeit und Energie in die Pflege und das Wohlergehen ihres Kindes investieren. Dies ist richtig und wichtig. Nichtdestotrotz sollte man auch auf seine eigenen Bedürfnisse hören und sich im Alltag mit Baby Momente der Selbstfürsorge schaffen, um dem persönlichen Wohlbefinden und seiner Gesundheit etwas Gutes zu tun. Hier zeigen wir dir einige bewährte Strategien auf:

  • Soziale Unterstützung: Sich mit anderen Eltern austauschen und Unterstützung von Familie und Freunden suchen, kann dazu beitragen, Isolation zu reduzieren und das Wohlbefinden zu steigern. Oft muss es nichts Grosses sein, sondern im Alltag mit einem Säugling hilft meist schon, wenn der Grossvater, die Grossmutter, die Tante oder der Onkel einmal den Spaziergang mit dem Kinderwagen übernehmen und so Mutter und Vater einen Moment für sich haben. Weiter gibt es im Kanton Zug Angebote vom Fachzentrum Punkto für Eltern, um sich untereinander auszutauschen.
  • Ausgewogene Ernährung und Bewegung: Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige körperliche Aktivität unterstützen nicht nur die körperliche Gesundheit, sondern auch das emotionale Wohlbefinden. Achte daher darauf, dich regelmässig zu bewegen und ausgewogen zu essen. Geh täglich eine Runde draussen spazieren, sei es nur für 20 Minuten. Damit die ausgewogene Ernährung im Alltag mit einem Säugling nicht zu kurz kommt, kann es sehr hilfreich sein, Mahlzeiten vorzukochen, die nur wieder aufgewärmt werden müssen.
  • Achtsamkeit und Entspannung: Entspannungstechniken wie Meditation und Atemübungen können Stress reduzieren und die psychische Gesundheit fördern. Hierfür reichen auch kleine Sequenzen à 5 Minuten am Tag, um Entspannung in den Alltag zu bringen. Hier findest du verschiedene Anleitungen für Atemübungen. Weitere Entspannungsübungen sind hier zu finden. Keine Zeit ist keine Ausrede! Atemübungen kannst du immer und überall durchführen. So kannst du beispielsweise während dem Stillen oder beim Fläschchen geben tief in den Bauch atmen und damit für mehr Ruhe und Gelassenheit sorgen. Es ist sogar gut möglich, dass sich deine Atmung und die damit verbundene Entspannung auf dein Kind überträgt. Probiere es mal aus!
  • Kommunikation und Partnerschaft: Offene Kommunikation und eine unterstützende Partnerschaft können dazu beitragen, Konflikte zu minimieren und das Wohlbefinden beider Elternteile zu stärken. Vergesst also auch zwischen Windeln, Fläschchen geben / Stillen, in den Schlaf wiegen und beruhigen nicht mit einander zu reden und tauscht euch aus. Schafft ihr es nicht alleine und wärt froh um professionelle Unterstützung, um die Kommunikation in eurer Partnerschaft zu verbessern? Das Fachzentrum eff-zett sowie das Fachzentrum Punkto bieten verschiedene Beratungsangebote für Paare, Familien und Eltern.

Für dein Kind ist es genauso wichtig wie für dich, dass du dich wohlfühlst und dir und deiner psychischen und physischen Gesundheit Sorge trägst. Nicht umsonst heisst es: Geht es der Mutter / dem Vater gut, geht es dem Kind gut!

Weitere Unterlagen mit Tipps und Angeboten zur Unterstützung haben wir dir hier aufgeführt:

 

Referenzen:
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