Emotionale Intelligenz: Emotionen wahrnehmen, einsetzen, verstehen und steuern

Emotionale Intelligenz

Emotionen begleiten uns ein Leben lang und rund um die Uhr - jeder hat und jeder kennt sie. Selbst wenn wir Gefühle abstellen oder wegschliessen möchten, gelingt uns das nicht. Sie sind im Stande, unser Verhalten und unsere Entscheidungen täglich massgeblich zu beeinflussen. Doch wie gut kennst du deine eigenen Gefühle? Wie fühlst du dich? Und wie oft denkst du über Emotionen nach? Hast du vielleicht Schwierigkeiten deine Gefühle zu ordnen oder Gefühle von deinen Mitmenschen zu erkennen oder zu verstehen? Oder fällt dir das ganz leicht? Diese Fähigkeit nennt man emotionale Intelligenz. Schon einmal davon gehört? Wir möchten dir den Begriff näherbringen und aufzeigen wozu Emotionen gut sind. Zudem haben wir dir eine Übung bereitgestellt, mit welcher du lernen kannst, deine Gefühle besser wahrzunehmen. Dies ist die Grundlage, um Emotionen besser zu verstehen und mit ihnen umzugehen.

Was ist emotionale Intelligenz? Und wie steht’s um die Emotionen der Schweizer Bevölkerung?

Bei der emotionalen Intelligenz handelt es sich um die Fähigkeit, Emotionen wahrzunehmen, zu verstehen, einzusetzen und zu steuern. Und zwar nicht nur bei sich selbst, sondern auch bei anderen Personen. Wenn du eine hohe emotionale Intelligenz besitzt, dann erkennst du wie es dir und anderen geht, du verstehst die wahrgenommenen Emotionen und weisst wie du sie einsetzen kannst. Zudem bist du dir ebenfalls bewusst, dass und wie du Emotionen verändern kannst (z.B. durch Ablenkung oder Aufmunterung).
Weisst du wie sich deine Mitmenschen fühlen? Wie gelangst du an diese Information? Manchmal ist es schon schwierig genug, die eigenen Gefühle wahrzunehmen und richtig zu interpretieren. Dies bei anderen Personen zu tun, erweist sich als noch grössere Herausforderung. Vor allem dann, wenn deine Mitmenschen nur sehr ungern über ihre Gefühle sprechen. Eine grosse Befragung in der Deutschschweiz hat ergeben, dass wir insgesamt ein breites emotionales Spektrum besitzen. Das heisst, wir kennen viele verschiedene Emotionen und können sie auch benennen. Darüber zu sprechen ist allerdings für viele immer noch schwierig und für manche gelten einige Emotionen sogar ein Tabu (z.B. Einsamkeit). Interessant ist, dass wir lieber nur über positive Gefühle wie «Stolz» und «Bewunderung» sprechen und am wenigsten über Gefühle wie «Hoffnungslosigkeit» oder «Scham». Dabei wäre es wichtig sich über alle Gefühlslagen auszutauschen. Mit einem ernst gemeinten «Wie geht’s dir?» kannst du in deinem Umfeld schon vieles erreichen und ein Gespräch über Gefühle anstossen. Wann hast du dich das letzte Mal über das Befinden eines Mitmenschen erkundigt?

Wie sich das Geschlecht und das Alter auf das Erleben von und das Sprechen über Emotionen auswirkt kannst du hier nachlesen.

Wozu sind Emotionen gut?

Emotionen sind eine wichtige Quelle für Informationen. Und das nicht nur zu dir selbst, sondern auch zu deiner Umgebung. Wie fühlst du dich bei einem Referat? Wie geht es dir, wenn du etwas tust, dass du vorher noch nie ausprobiert hast? Fühlst du dich gelangweilt, wenn du über einen längeren Zeitraum immer dasselbe tust? In solch einem Fall motiviert dich die Langeweile, aktiv zu werden und deine Routine zu ändern. Hierbei erkennst du gut, wie Emotionen unser Verhalten beeinflussen können. Wir vermeiden Situationen in denen wir uns nicht wohl fühlen und suchen solche, welche uns positive Emotionen bescheren. Hin und wieder gehört es aber auch dazu, sich mit negativen Gefühlen auseinanderzusetzen oder sich seinen Ängsten zu stellen. Es ist nicht immer einfach darüber zu sprechen, aber wenn du den Schritt wagst dich einer anderen Person anzuvertrauen, dann kannst du viel über dich selbst lernen. Mehr zum Thema Emotionen findest du in unserem Blogbeitrag «Hallo – wie fühlst du dich?».

Studien, welche die emotionale Intelligenz – also das Wahrnehmen, Verstehen, Nutzen und den Umgang mit Emotionen – untersucht haben, konnten zeigen, dass es zwischen dieser Fähigkeit und unterschiedlichen Gesundheitsaspekten Zusammenhänge gibt. So hängt eine hohe emotionale Intelligenz mit einer besseren Gesundheit, sowohl körperlich als auch mental, zusammen. Es gibt sogar Hinweise darauf, dass sich Personen mit hoher emotionaler Intelligenz mehr bewegen und weniger Verhaltensweisen wie Rauchen oder Alkoholtrinken zeigen. Auch im beruflichen Kontext wurden positive Effekte auf die Arbeitsleistung und -zufriedenheit gefunden.
Wenn du noch mehr zur emotionalen Intelligenz erfahren möchtest, empfehlen wir dir die Dokumentation von SRF Einstein mit dem Titel «Emotionale Intelligenz – Was hinter dem Trend steckt».

Wie kann ich meine Gefühle besser wahrnehmen?

Obwohl wir täglich viele Emotionen erleben, nehmen wir uns viel zu selten bewusst Zeit für sie. Nur am Rande nehmen wir wahr, dass wir traurig, unzufrieden, ausgeglichen, nervös, glücklich, stolz oder gestresst sind. Deshalb lautet unser erster Tipp: Nimm dir Zeit deine Gefühle wahrzunehmen. Was empfindest du gerade in diesem Moment? Kannst du deine Emotionen in Worte fassen? Wirkt sich das Gefühl auf deinen Körper aus?
Versuche deine Mitmenschen und ihre Emotionen ebenfalls bewusst wahrzunehmen. Wie fühlen sie sich? Kannst du es anhand ihrer äusserlichen Erscheinung deuten? Nein? Wann hast du deine Mitarbeitenden, Freunde oder Familie das letzte Mal nach ihrem Befinden gefragt?

Achtsamkeitsübungen dienen ebenfalls dazu, sich selbst und somit auch die eigenen Gefühle besser kennenzulernen. Am Schluss dieses Beitrags findest du eine Übung, die du in deinem Alltag anwenden kannst.

Kann ich meine Emotionen beeinflussen?

Ja, das kannst du. In unserem Alltag kommen wir immer wieder einmal in Situationen, in denen wir unseren Emotionen nicht freien Lauf lassen können oder wollen. Bestimmt fällt dir eine solche Situation ein?

Meist möchten wir negative Emotionen regulieren. Nur selten möchte jemand positive Gefühle beeinflussen und es gibt verschiedene Wege dies zu tun. Du kannst beispielsweise versuchen deine Emotion zu unterdrücken oder zu mindern oder natürlich, wenn gewünscht, zu intensivieren oder zu erzeugen. Emotionen komplett zu unterdrücken, wird nicht empfohlen und ist zudem extrem schwierig. Es funktioniert besser, wenn du der Situation, die die Emotion auslöst, eine neue Bedeutung gibst. Wenn du beispielsweise ein Sportmuffel bist und du beim Sport stets von negativen Gefühlen geplagt wirst, dann versuche beim nächsten Mal diese Gefühle nicht zu unterdrücken, sondern bewerte die Situation neu. Wieso treibst du Sport? Was möchtest du erreichen? Versuche dir die positiven Aspekte des Sports in Erinnerung zu rufen. Emotionen werden in den meisten Fällen von körperlichen Reaktionen begleitet. So schlägt dein Herz automatisch schneller, wenn du Angst oder Nervosität verspürst. In solchen Situationen helfen dir Atemübungen oder körperliche Betätigung, um deine Emotionen zu regulieren.

Achtsamkeitsübung

Kurzmeditation

Setze dich bei dieser Übung aufrecht hin oder stehe auf. Schliesse deine Augen und senk deinen Blick gegen unten. Richte deine Aufmerksamkeit der Reihe nach auf die nachfolgenden Bereiche: 

  • Gedanken: Welche Gedanken gehen dir durch den Kopf? Sind es bestimmte Sätze, Bilder?
  • Gefühle: Was fühlst du? Freude? Langeweile? Stress?
  • Körper: Wie fühlt sich dein Körper an? Ist dir kalt, warm? Ist dein Körper angespannt oder entspannt? Schmerzt er an gewissen Stellen?
  • Atem: Beobachte deine Atmung. Nimm wahr, wie die Luft ein- und ausströmt.

Achte bei dieser Übung darauf, dass du alles wahrnimmst, wie es gerade ist ohne etwas daran ändern zu wollen. Bewerte nichts und lass dich auf die Situation ein. Die Übung ist für eine Zeitdauer von 3-5 Minuten gedacht. Du kannst sie dadurch ganz einfach als Pause in deinen Alltag einbauen.

 

«Gefühle kommen und gehen wie Wolken am Himmel.»
- Thich Nhat Hanh -

 

 

 

Referenzen
Bosshardt, L., Bühler, G., Craviolini, J., & Hermann, M. (2020). Atlas der Emotionen. Die neue Gefühlslandkarte der Schweiz. Forschungsstelle sotomo im Auftrag von Gesundheitsförderung Schweiz. https://www.wie-gehts-dir.ch/assets/images/contentImages/Wie_gehts_dir_Atlas_der_Emotionen.pdf
Brandstätter, V., Schüler, J., Puca, R. M., & Lozo, L. (2013). Motivation und Emotion. Allgemeine Psychologie für Bachelor. Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-642-30150-6
Gölzner, H. & Meyer, P. (Hrsg.). (2018). Emotionale Intelligenz in Organisationen. Der Schlüssel zum Wissenstransfer von angewandter Forschung in die praktische Umsetzung. Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-658-19127-6_1
Myers, D.G. (2014). Psychologie (3. Auflage). Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-642-40782-6
Schutte, N. S., Malouff, J. M., Thorsteinsson, E. B., Bhullar, N., & Rooke, S. E. (2007). A meta-analytic investigation of the relationship between emotional intelligence and health. Personality and individual differences, 42(6), 921-933. https://doi.org/10.1016/j.paid.2006.09.003
Tsaousis, I., & Nikolaou, I. (2005). Exploring the relationship of emotional intelligence with physical and psychological health functioning. Journal of the International Society for the Investigation of Stress, 21(2), 77-86. https://doi.org/10.1002/smi.1042

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